Indigenialität

Ein paar Gedanken zu etwas zutiefst Menschlichem.

Als Re­zen­si­on zu u.g. Buch des Dr. phil. und als Schrift­stel­ler und Jour­na­list so­wie als Hoch­schul­do­zent tä­ti­gen Au­tors An­dre­as We­ber kann die­ser Bei­trag wohl nicht an­ge­se­hen wer­den. Viel­mehr ist er ein Pro­to­koll ei­nes Ge­dan­ken­gan­ges, zu dem die Lek­tü­re des Tex­tes an­ge­regt hat.

Den In­halt des Bu­ches möch­te ich ger­ne mit „Was Sie schon im­mer über Weis­heit wis­sen woll­ten, aber nie zu fra­gen wag­ten.“ il­lus­trie­rend zu­sam­men­fas­sen. Das Buch kam mir manch­mal et­was arg pan­psy­chis­tisch, ir­gend­wie welt­fremd, ir­gend­wie eso­te­risch, viel­leicht für man­che auch schlicht­weg kin­disch, da­her. Und so hat­te ich mich in die­sen Mo­men­ten zu er­in­nern, dass es der Mensch ist, der den Din­gen Psy­che, See­le, Sub­jek­ti­vi­tät, al­so In­ner­lich­keit, zu ge­ben ver­mag und die­se selbst sie nicht ha­ben müs­sen. Dar­an ist nichts falsch, ge­nau­so we­nig wie dar­an et­was nur rich­tig ist. Die Fra­ge nach der Sinn­haf­tig­keit ei­nes sol­chen Den­kens, ei­ner sol­chen Welt­an­schau­ung, ei­ner sol­chen Hal­tung, ist zu stellen.

Die Ant­wort auf ei­ne sol­che Fra­ge ist ei­ne öko­lo­gi­sche und kei­ne öko­no­mi­sche und gip­felt schließ­lich in der al­ten phi­lo­so­phi­schen Fra­ge nach dem Glück des Men­schen als In­di­vi­du­um ge­nau­so wie die nach dem Glück der Men­schen als Spe­zi­es. Das, manch’ Glau­ben nun fol­gend, da­von ab­hängt mit wel­chem Glück er über die Na­tur ob­wal­tet, die ihm zu be­herr­schen auf­ge­ge­ben wur­de, die er sich zum Un­ter­tan ma­chen sol­le – in den Wor­ten des Au­tors könn­te ge­sagt wer­den: Die zu ko­lo­nia­li­sie­ren Mensch von hö­he­rer Macht be­auf­tragt wur­de. Bzw. er sich da­zu be­ru­fen fühlt, sich selbst (als) hö­he­re Macht ge­bend. Die­se Per­spek­ti­ve kann öko­no­misch ge­nannt wer­den, die des Ge­gen­ein­an­ders, der Kon­kur­renz um Gü­ter, der Angst vor Man­gel und Tod. Die Öko­lo­gi­sche ist die der Ge­gen­sei­tig­keit, der »Ge­mein­gü­ter­wirt­schaft«, der Freu­de am Ge­nü­gen und am Leben.

Der Ge­dan­ke der Ge­gen­sei­tig­keit des Men­schen mit ei­ner be­leb­ten Na­tur – wo­zu auch Stei­ne zu zäh­len sind – durch­zieht den gan­zen Text. Stets mach­te er mich dar­auf auf­merk­sam, Na­tur und Kul­tur nicht in ei­ner Geg­ner­schaft, son­dern in ei­ner All­men­de, ei­ner Ver­sor­gung auf Ge­gen­sei­tig­keit ba­sie­rend, zu ver­ste­hen. Kul­tur ge­hört zur mensch­li­chen Na­tur, der Mensch ge­hört zur Na­tur, mit­hin ist An­thro­po-Kul­tur als Na­tur auf­zu­fas­sen. Ein für mich äu­ßerst sym­pa­thi­scher Gedanke.

Der mich zum Sin­nie­ren brach­te. In­wie­weit ist ein sol­ches Ge­gen­sei­tig­keits­prin­zip in der Po­li­tik, na­ment­lich des­sen, was im All­ge­mei­nen mit De­mo­kra­tie be­zeich­net wird, an­wend­bar? Ver­ste­hen wir Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on nicht mehr als ei­ne Geg­ner­schaft, de­ren Sinn dar­in be­steht, den an­de­ren, die Po­si­ti­on, zu be­sie­gen, al­so mit ei­ner ge­ne­rel­len Ko­lo­nia­li­sie­rungs­idee. Son­dern in ei­ner Ge­gen­sei­tig­keit, de­ren Sinn dar­in be­steht, den an­de­ren, die Po­si­ti­on, auf­zu­klä­ren. Wie sä­he dann das Wech­sel­spiel der Mäch­te in ei­ner De­mo­kra­tie aus?

Zu­nächst ein­mal ist der Preis der Macht, des Re­gie­rens, der Po­si­ti­on, die der Auf­klä­rung durch die Op­po­si­ti­on, die ach­tungs­voll hin­zu­neh­men ist. Op­po­si­ti­on er­hellt das Trei­ben der Re­gie­ren­den und stellt so­mit für die Wäh­ler­schaft die Fra­ge: „Wollt ihr das?“ Vor­nehm­lich die­se Auf­ga­be soll­te in ei­ner all­men­die­ren­den De­mo­kra­tie die der Op­po­si­ti­on sein. Kon­rad Ade­nau­er for­mu­lier­te es so:

Ich hal­te ei­ne gu­te Op­po­si­ti­on in ei­nem Par­la­ment für ei­ne ab­so­lu­te Not­wen­dig­keit; oh­ne ei­ne wirk­lich gu­te Op­po­si­ti­on ent­steht Stick­luft und Unfruchtbarkeit.

Wil­ly Brandt fass­te es noch kürzer:

Mehr De­mo­kra­tie wagen.

Frei­lich ge­hört zu ei­ner frucht­ba­ren Op­po­si­ti­on – »Frucht­bar­keit« ist im Üb­ri­gen auch im Buch ein Wort, das mir auf­ge­fal­len ist – nicht nur zu me­ckern, son­dern ei­ne Al­ter­na­ti­ve für die­ses po­si­tio­nel­le Tun auf­zu­zei­gen. Und da­für zu wer­ben, die­sen an­de­ren Weg doch zu ge­hen mit dem Re­gie­rungs­auf­trag an die ak­tu­el­le Op­po­si­ti­on durch die Wäh­ler­schaft bei der nächs­ten Wahl.

Wo­mit die Sei­ten ge­wech­selt wer­den und nun je­ne, die es an­ders ma­chen wol­len, im Licht der Auf­klä­rung durch die neue Op­po­si­ti­on ste­hen, die vor­mals die Po­si­ti­on ver­tra­ten. Op­po­si­ti­ons­ar­beit ist so nicht Mist, son­dern ein Ga­rant für die Gü­te des Re­gie­rens. So ent­steht ei­ne Ge­gen­sei­tig­keit. Um nicht zu sa­gen: ei­ne Fürsorge.

Nun sind hier Wor­te ge­fal­len, »Al­ter­na­ti­ve«, »die­sen an­de­ren Weg«, die die Her­zen man­cher Gesell*n, vor­nehm­lich am mehr oder we­ni­ger po­pu­lis­ti­schen rech­ten Rand, wo­mög­lich hö­her schla­gen las­sen. Die Na­tür­lich­keit ih­res Tuns näm­lich als hin­rei­chend be­grün­det an­zu­se­hen und nun zu sa­gen: „Ja! Ge­nau das ma­chen wir ja! Das ist ge­sun­der Men­schen­ver­stand, das ist vernünftig!“

Mit­nich­ten.

Op­po­si­ti­on be­deu­tet stets, ei­nem wirk­lich an­de­rem Kon­zept zu fol­gen, das sich aus ei­ner an­de­ren Hal­tung er­gibt und so über­haupt erst ein­mal in die La­ge ver­setzt zu wer­den, Auf­klä­rungs­ar­beit zu leis­ten. Um es räum­lich zu for­mu­lie­ren: Re­giert ei­ne ‚rech­te‘ Welt­auf­fas­sung, ist ‚rechts‘ Po­si­ti­on, ist ei­ne noch ‚rech­te­re‘ kei­ne Op­po­si­ti­on da­zu. Ei­ne ‚lin­ke‘ Hal­tung ist da­zu in Op­po­si­ti­on zu set­zen, nichts an­de­res, will das Wort „Op­po­si­ti­on“ der Be­deu­tung, die ich ihm hier ge­ben möch­te, ge­recht werden.

Ver­su­chen wir es mit Far­ben, in ei­nem ge­wis­sen Sin­ne das Kom­ple­men­tär­prin­zip der Ge­gen­sei­tig­keit auf­zei­gend: Noch schwär­zer, bis ins Braun fal­lend (was nun frei­lich nur et­was ver­deut­li­chen soll), ist kei­ne Ge­gen­sei­tig­keit, son­dern Ein­sei­tig­keit. Die Op­po­si­ti­on zu schwarz, das Kom­ple­men­tär eben, ist weiß, in die­sem Ge­dan­ken­gang. Und frei­lich gilt auch hier: Bei ei­ner wei­ßen Po­si­ti­on ist das noch wei­ße­re kei­ne Op­po­si­ti­on, son­dern eher Blen­dung. Wie das noch schwär­ze­re als Ver­dun­ke­lung an­ge­se­hen wer­den kann. Bei­des trübt die Klar­heit ein.

Der Grund­ge­dan­ke ei­ner all­men­die­ren­den De­mo­kra­tie ist nicht Macht, son­dern Ver­ant­wor­tung. Ver­ant­wor­tung auch da­für, dass das Prin­zip der Ge­gen­sei­tig­keit auf­recht er­hal­ten wird.

Ei­ne Auf­wei­chung die­ses Prin­zips, in­dem schwarz und weiß sich zu ei­nem grau ver­ei­ni­gen, ver­dun­kelt das Re­gie­rungs­ge­sche­hen. Die Kraft, die nun noch op­po­si­tio­nell wir­ken kann und so­gar muss, will das Prin­zip ge­ret­tet wer­den, ist die Öf­fent­lich­keit. Die Me­di­en, die Bür­ger selbst, gar. So wer­den je­doch die Me­di­en und die Bür­ger in das Macht­spiel hin­ein­ge­zo­gen und letzt­lich zum Geg­ner der Re­gie­rung, den es zu be­sie­gen gilt. Die Me­di­en ver­lie­ren so ih­ren Sta­tus, über das Ge­sche­hen in ei­ner all­men­die­ren­den De­mo­kra­tie zu be­rich­ten, auch kom­men­tie­rend. Auf dass der Wäh­ler­schaft klar wer­den kann, ob die ak­tu­el­le Kon­zep­ti­on noch trägt oder durch ei­nen Wech­sel der Spiel­rol­len das Prin­zip der po­li­ti­schen All­men­de auf­zu­fri­schen ist. In Er­in­ne­rung ge­ru­fen wer­den soll.

Die Me­di­en ver­lie­ren den Sta­tus neu­tra­ler, re­flek­tie­ren­der Be­ob­ach­ter, die Bür­ger­schaft ver­liert den Sta­tus der Frei­heit. Weil je­ne, die in Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on be­auf­tragt wur­den, für eben je­ne Frei­heit von Macht­kämp­fen der Bür­ger­schaft zu sor­gen, da­mit die­se für sich sor­gen kann, ver­sa­gen. Sinn der Re­prä­sen­ta­ti­on ist es, statt selbst kämp­fen zu müs­sen, po­li­ti­sche Ak­teu­re zu be­auf­tra­gen, mit de­mo­kra­ti­schem Rin­gen Sor­ge für und um die Ge­sell­schaft zu tra­gen. Und für die Klar­heit zu sor­gen, die es der Wäh­ler­schaft er­mög­licht zu be­ur­tei­len, ob ein Wech­sel in den Spiel­rol­len an­ge­zeigt ist. Ei­ne Klar­heit, die dann durch die Me­di­en ins Land ge­tra­gen wird.

So ent­steht ein Wech­sel­spiel von Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on, das dann eben als Wech­sel­wir­kung Kraft ent­fal­tet; ein Land, ei­ne Ge­sell­schaft, wei­ter­bringt, oh­ne dass da­bei die Sach­the­men, z.B. Kli­ma, Mi­gra­ti­on, sog. Di­gi­ta­li­sie­rung, ver­nach­läs­sigt wer­den. Denn sach­lich, ver­nünf­tig be­trach­tet sind die­se Pro­ble­me kei­ne ei­ner po­li­ti­schen Hal­tung. Son­dern Fra­gen, die wis­sen­schaft­li­ches Trei­ben auf­zu­hel­len ver­mag. Ob die Lö­sun­gen zu die­sen Pro­ble­men mit wei­ßen oder schwar­zen Hand­schu­hen an­ge­gan­gen wer­den, mit ro­ten oder grü­nen, gel­ben oder blau­en,… ist den The­men und wohl auch der Wäh­ler­schaft völ­lig egal: Die Ge­sell­schaft hat sich zu die­sen Pro­ble­men zu verhalten.

Nicht egal dürf­te der Wäh­ler­schaft al­ler­dings sein, mit wel­cher Stim­mung, grund­le­gen­den Hal­tung die Lö­sung die­ser Pro­ble­me an­ge­gan­gen wird. Mit der Wahl von Par­tei­en wird die­se Stim­mung ge­schaf­fen – so denn über­haupt Hal­tun­gen zur Wahl ste­hen und nicht viel­mehr ei­ne, ver­meint­lich kon­ser­va­ti­ve, so laut brüllt, dass die nicht-kon­ser­va­ti­ve er­schro­cken in ei­nen Mu­tis­mus fällt und man so mei­nen könn­te, es gä­be nur die­se, sich ra­tio­nal-prag­ma­tisch ge­ben­de, Stim­me, letzt­end­lich. Und die­se dann ‚wählt‘, auch wenn man sie nicht ha­ben will. Um mit ei­nem sol­chen Pro­test dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass die Stim­mung, die Hal­tung, die die Wäh­ler­schaft sich wünscht, nicht er­kenn­bar ist, eben nicht wähl­bar ist. Ei­ne Hal­tung der All­men­de, sicht­bar durch das An­ge­bot, Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on in ei­nem de­mo­kra­ti­schen Par­la­ment in ih­ren Rol­len neu be­set­zen zu können.

Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on, nicht Po­si­ti­on und Re­po­si­ti­on. Und schon gar nicht ei­ne ‚Mit­te‘, die jeg­li­che Po­si­ti­on ver­mis­sen lässt und so­mit Op­po­si­ti­on ver­un­mög­licht. Po­li­tik hat auch die­sen Frei­raum für die Bür­ger­schaft zu schaf­fen, ei­ne ent­spann­te, po­li­tisch un­be­setz­te Mit­te, aus de­ren neu­tra­ler Per­spek­ti­ve her­aus das Trei­ben der sich all­men­die­ren­den De­mo­kra­tie durch die Wäh­ler­schaft be­trach­tet, be­ur­teilt und ge­steu­ert wer­den kann.

Im Üb­ri­gen möch­te ich ab­schlie­ßend noch all je­ne, die sich als Pro­test­wäh­ler ver­ste­hen, da­zu auf­ru­fen, statt frag­wür­di­ge und un­durch­sich­ti­ge Hal­tun­gen zur Macht zu ver­hel­fen, ih­ren Wunsch nach ei­ner frei­en Mit­te durch die Ab­ga­be ei­nes sog. un­gül­ti­gen Stimm­zet­tels zu be­zeu­gen. Ein un­gül­tig ge­nann­ter Stimm­zet­tel heißt nicht, dass die Stim­me un­gül­tig ist, er heißt nur, dass die ab­ge­ge­be­ne und al­so ge­zähl­te Stim­me bei der Zu­sam­men­set­zung des Par­la­ments kei­ne Rol­le spielt.

14% ‚un­gül­ti­ge‘ Stimmzettel
soll­ten die Po­li­tik wohl dar­an er­in­nern kön­nen, dass sie aus Sicht des Sou­ve­räns an ih­rem de­mo­kra­ti­schen Ver­ständ­nis zu ar­bei­ten hat.

Lit.:
We­ber, An­dre­as: In­di­ge­nia­li­tät
Ni­co­lai, Ber­lin 2018. 120 S., 20,00€
(auch als e‑Book erhältlich)

Zwei Jäger treffen sich im Wald

Anmerkungen zu Zorn, Daniel-Pascal: „Shooting Stars“. Philosophie zwischen Pop und Akademie.

Um es vor­weg zu neh­men: Der Ver­fas­ser die­ser Zei­len hier über oder zu o.g. Ti­tel, im fol­gen­den schlicht „ich“, ist auf’s An­ge­nehms­te über­rascht: Zwei Stun­den er­hel­len­de Lek­tü­re oh­ne aka­de­misch-ela­bo­rier­tes Ge­re­de, son­dern lu­zid und kon­zis vor­ge­tra­ge­ne Per­spek­ti­ven auf das, was als „Po­pu­lär­phi­lo­so­phie“ und das, was als „aka­de­mi­sche Phi­lo­so­phie“ be­zeich­net wird. Ein an­ge­neh­mer Text, der sich vor al­len Din­gen dar­in übt, das im Text Ge­for­der­te selbst zu er­fül­len: Vor­aus­set­zun­gen zu klä­ren. Und das we­der in sim­pli­fi­zie­ren­der po­pu­lis­ti­scher Ma­nier noch in ver­kom­pli­zie­ren­der Eli­tär-At­ti­tü­de. Son­dern in der An­stren­gung, leicht und den­noch prä­zi­se dar­zu­le­gen, um was es (ei­gent­lich) geht. Oder ge­hen sollte.

Auf ei­ne In­halts­an­ga­be sei hier ver­zich­tet und die dar­an In­ter­es­sier­ten auf­ge­for­dert, selbst zu ei­nem Ur­teil zu ge­lan­gen, ist denn ein sol­ches ge­sucht. Und ei­ne Zu­sam­men­fas­sung ei­ner Zu­sam­men­fas­sung hat noch nie zu et­was Bes­se­rem ge­führt. Die­ser, mein Bei­trag will sich ein we­nig mit dem Ge­le­se­nen be­schäf­ti­gen, frei von und frei zu; und vor al­len Din­gen ein­mal be­leuch­ten, wie es im Lich­te der Über­le­gun­gen Zorns um das steht, was als „Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis“ al­lent­hal­ben kur­siert. Kurz drauf­leuch­ten, wir sind ja im Internet.

Vor­ne­weg ist fest­zu­stel­len und das „ich“ bzw. das feh­len­de Hei­deg­ger’sche „man“, in die­sem Bei­trag hier auch zu be­grün­den: D I E Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis gibt es ge­nau­so we­nig wie D I E phi­lo­so­phi­sche Pra­xis oder D I E Phi­lo­so­phie: (»Was ›die Phi­lo­so­phie‹ ist, ist ein phi­lo­so­phi­sches Pro­blem.« (S. 11)). Der Bei­trag ist al­so ein rein sub­jek­ti­ver und er­hebt kei­ner­lei An­spruch auf Allgemeingültigkeit. 

Das Wah­re fin­det sich in der Dif­fe­renz zu et­was An­de­rem, nicht in sich selbst. Des­halb ist die ge­gen­sei­ti­ge Op­po­si­tio­na­li­sie­rung von Po­pu­lär­phi­lo­so­phie und aka­de­mi­scher Phi­lo­so­phie auch so wich­tig und hilf­reich, um her­aus­zu­stel­len, wor­um es Phi­lo­so­phie als sol­cher, un­ab­hän­gig ih­rer Er­schei­nungs­for­men, geht oder zu­min­dest ge­hen soll oder auch soll­te. Frei­lich gin­ge das wohl auch an­ders, ein Win­kel zwi­schen den Po­si­tio­nen reicht ja auch schon aus, um ei­ne Sa­che von min­des­tens zwei Per­spek­ti­ven aus zu be­trach­ten. 180° sind auch mach­bar. „Schau mir in die Au­gen, Kleines.“

Wer schreibt hier? Das ist un­ter Um­stän­den wich­tig, um den Bei­trag ein­ord­nen zu kön­nen. Ich ha­be we­der ein ‚an­stän­di­ges‘ Phi­lo­so­phie­stu­di­um noch ziert mei­nen Na­men ein aka­de­mi­scher Dok­tor-Grad oder über­haupt ir­gend­ei­ne aka­de­mi­sche Aus­zeich­nung. Mich hat ne­ben ei­nem ‚ge­fühl­ten Phi­lo­so­phen in mir‘, des­sen aka­de­mi­sches Exis­tenz­recht die Le­bens­um­stän­de ver­un­mög­licht ha­ben, in der Tat Prechts Buch »Wer bin ich…« und die dar­auf fol­gen­de Lek­tü­re von Ernst Tu­gend­hat, und im fol­gen­den dann Häpp­chen­wei­se He­gel, Kant, Blu­men­berg, … bis hin zu ‚mei­nem‘ Phi­lo­so­phen, ei­nem Bru­der im Geis­te, ei­nem See­len­ver­wand­ten, wie mich deucht, Lud­wig Witt­gen­stein ge­führt. Die in­ten­si­ve Lek­tü­re sei­nes Den­kens und Le­bens be­gin­ne ich nun und bin da­mit min­des­tens die nächs­ten 2 – 3 Jah­re be­schäf­tigt, wenn nicht gar noch viel, viel län­ger — ha­be ich doch mit die­sem Phi­lo­so­phen mei­nen ‚ar­chi­me­di­schen Punkt‘ im Phi­lo­so­phie­uni­ver­sum ent­deckt. Und im Zu­ge die­ser Ent­wick­lung nut­ze ich seit 2015 die Mög­lich­keit, als Gast­hö­rer am In­sti­tut für Phi­lo­so­phie der Uni­ver­si­tät Ko­blenz-Land­au, Cam­pus Land­au wei­len zu dür­fen (Wer­be­block: Ende).

Ich bin nun al­so durch­aus ein Ver­tre­ter je­ner Spe­zi­es, die im Buch auf S. 39 ge­nannt wird. Das mag nun vie­le Leser/innen ver­scheu­chen, denn was will so ei­ner schon sa­gen kön­nen, zu­mal über das höchs­te Gut mensch­li­chen Geis­tes, das Phi­lo­so­phi­sche? Das soll­te doch dann de­nen über­las­sen wer­den, die das stu­diert ha­ben und sich aka­de­misch und/oder pu­bli­zis­tisch nach ein­schlä­gi­gem Stu­di­um da­zu äu­ßern, die al­so wis­sen, wo­von sie spre­chen. Nun denn, Adieu, Dan­ke für den Fisch und macht’s gut. (Ach so, eins noch: Ri­chard Da­vid Precht hat Ger­ma­nis­tik studiert.)

Mei­ne pri­va­te phi­lo­so­phi­sche Pra­xis und auch mei­ne kom­mer­zi­el­le Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis (p und P im Ad­jek­tiv zei­gen die Dif­fe­renz an) fin­det sich in Zorns Es­say auf Sei­te 98:

Phi­lo­so­phie als Auf­merk­sam­keit, als Pra­xis, als ei­ne Wei­se des Den­kens, die das Den­ken an­de­rer und das ei­ge­ne Den­ken ra­di­kal hin­ter­fragt, oh­ne sich zu ver­lie­ren und von die­sem Punkt aus al­les zu ge­win­nen, was die Welt und die Phi­lo­so­phie sein kann – das wä­re ei­ne Möglichkeit.

Nun, Herr Zorn, das wä­re nicht nur ei­ne Mög­lich­keit, das ist ei­ne Mög­lich­keit. Dass die­se Mög­lich­keit nicht von Markt­re­geln oder Aus­bil­dungs­re­geln ab­hängt, da­für rei­chen die­se Zei­len hier wün­schens­wer­ter­wei­se hin. Bes­ser lässt sich mein An­spruch an mei­ne per­sön­li­che Hal­tung, als auch an mei­ne be­ruf­li­che Tä­tig­keit nicht in Wor­te fas­sen, zu­min­dest vor­läu­fig. (Ich weiß näm­lich nicht, wie oft ich den Satz schon ge­sagt ha­be. Doch seit Karl Pop­per ist ja all­ge­mein­hin be­kannt, dass Wis­sen im­mer die Ei­gen­schaft der Vor­läu­fig­keit hat.)

So ha­be ich mir auch S. 10 markiert: 

Und nur wenn sie [Po­pu­lär­phi­lo­so­phie und aka­de­mi­sche Philosophie;V.H.] ver­ste­hen, dass ›die Phi­lo­so­phie‹ zu­nächst kei­ne An­samm­lung von Weis­hei­ten, In­hal­ten, The­men und Me­tho­den ist, son­dern ei­ne Hal­tung, ei­ne Pra­xis und ein aus die­ser Hal­tung ent­ste­hen­des ra­di­ka­les Pro­blem ih­rer Wei­ter­ga­be, kön­nen sie ei­nen Weg fin­den, der sie von Geg­nern zu Part­nern wer­den lässt.

Na, da ist sie, die gu­te al­te Dia­lek­tik, die ei­ne dort, der an­de­re ge­nau ge­gen­über, ei­ne Wahr­heit, un­ab­hän­gig der ei­ge­nen Po­si­ti­on. Da lässt sich dann im­mer präch­tig strei­ten und sol­che Streits fol­gen nicht, zu­min­dest mei­ner All­tags­er­fah­rung nach, ei­nem Spiel von The­se und An­ti­the­se, zu ei­ner Syn­the­se füh­rend, die­se zei­ti­gend, son­dern zu zwei Boll­wer­ken, die die je­wei­lig ei­ge­ne Po­si­ti­on als die rich­ti­ge­re ge­gen­über der an­de­ren (a) an­prei­sen und (b) zu recht­fer­ti­gen su­chen. Ja, kann so ge­macht wer­den, auch so geht die Zeit ’rum.

Da ziemt sich’s schon ge­schei­ter, die bei­den Po­si­tio­nen ein­mal als Ex­tre­me zu ver­ste­hen und nach ei­ner aris­to­te­li­schen, ba­lan­cie­ren­den Mit­te zu su­chen. Zorns Text kommt mir so da­her, als ver­su­che er sich ge­nau in die­ser Weis­heit. Nicht un­ge­lun­gen, aber das deu­te­te ich be­reits an.

Sehr dank­bar bin ich dem Au­tor Zorn um Sei­te 41 (Was da steht, soll­te ei­gent­lich, will nicht in Pa­nik ver­fal­len sein, auf Sei­te 42 stehen): 

Viel in­ter­es­san­ter ist, dass die Po­pu­lär­phi­lo­so­phie das, was sie auf ei­ner tie­fe­ren Ebe­ne in Fra­ge stellt, al­so das Selbst­ver­ständ­li­che und si­cher Ge­glaub­te, auf ei­ner hö­he­ren Ebe­ne selbst wie­der in­stal­liert. […] In ge­nau die­ser Hin­sicht be­sitzt die Po­pu­lär­phi­lo­so­phie ei­ne ideo­lo­gi­sche Funk­ti­on. […] Wenn Po­pu­lär­phi­lo­so­phie so ar­gu­men­tiert, dann ist sie Opi­um fürs Volk.

Das Zi­tat ist nun arg frag­men­tiert, aber das hier will auch kei­ne kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung sein. Doch was in den dar­ge­leg­ten Text­stel­len die­ser Pas­sa­ge für mich zum Aus­druck kommt, ist ge­nau das, was ich mitt­ler­wei­le an der Po­pu­lär­phi­lo­so­phie, an ei­ni­gen Vertreter/innen eben die­ser, prä­zi­se ge­sagt, kri­ti­sie­re: Da geht es nicht mehr um das, was ich un­ter ‚phi­lo­so­phie­ren‘ sub­sum­mie­re. Da geht es nicht dar­um, ei­ne Fra­ge so prä­zi­se zu stel­len, al­so so lan­ge an ihr zu ar­bei­ten, dass sie be­reits auf die Ant­wort ver­weist und die­se gleich­sam not­wen­di­ger­wei­se ge­biert, son­dern dar­um, be­que­me Ant­wor­ten zu lie­fern und die­se ir­gend­wie aus der phi­lo­so­phi­schen His­to­rie her­aus zu be­grün­den (Was, so scheint mir, bei mit phi­lo­so­phi­scher Li­te­ra­tur Un­ver­trau­ten, ein all­zu leich­tes Spiel ist). Das mag in der Re­zept­kul­tur, in der ich Deutsch­land seit Hel­mut Kohl wäh­ne, an­ge­hen und en vogue sein. Doch für mich ist das kei­ne Phi­lo­so­phie, son­dern So­phis­te­rei, im schlimms­ten Fal­le: Re­li­gi­on. Was nun al­ler­dings nicht heißt, die­se zu ver­ur­tei­len. Glücks­rat­ge­ber und Weis­heits­leh­ren er­fül­len al­le ih­ren le­bens­prak­ti­schen Sinn und Zweck und dar­an ist auch gar nichts zu be­män­geln. Nur soll­te das dann selbst, al­lein der Red­lich­keit we­gen, den An­spruch an et­was phi­loso­phi­sches zu­min­dest mit ei­nem gro­ßen Fra­ge­zei­chen schmücken.

Ei­ne an­de­re Stel­le, ne­ben den vie­len an­de­ren, die ich mir mar­kiert ha­be, auf S. 51: 

Was aber wird hier [die Re­de ist von Pla­ton und die Auf­he­bung von Selbstverständlichkeiten;V.H.] lehr­bar ge­macht? Kein Wis­sen, kei­ne po­si­ti­ven Be­stim­mun­gen, son­dern ei­ne be­stimm­te Art und Wei­se des Fra­gens, des Ant­wor­tens, des Zei­gens. Und die­ses Zei­gen hat stets da­mit zu tun, dass man das, was ge­sagt wird, auf das be­zieht, wie es ge­sagt wird. Des­we­gen kann das Zei­gen ei­ne Leh­re sein, auch dann, wenn es selbst, als zei­gen, nie an­ge­spro­chen wird.

Das könn­te fast von Lud­wig Witt­gen­stein stam­men. Oder von ei­nem Zen-Meister.

An spä­te­rer Stel­le im tem­po­ra­len Er­le­ben des Es­says wird häu­fig das Wort „Aus­bil­dung“ im Kon­text des Leh­rens der Phi­lo­so­phie ge­braucht. Das hät­te ich ger­ne in ei­ner zwei­ten Auf­la­ge durch die Strei­chung der Sil­be „Aus“ ak­tua­li­siert. Auf S. 69 wird Kant her­an­ge­zo­gen und mit

›un­ter al­len Ver­nunft­wis­sen­schaf­ten […] nie­mals […] Phi­lo­so­phie (es sei denn his­to­risch), son­dern, was
die Ver­nunft be­trifft, höchs­tens nur phi­lo­s­phie­ren lernen‹

zi­tiert. Nun, eben: phi­lo­so­phie­ren ler­nen — nicht leh­ren. Ich ha­be im Rah­men mei­ner Gast­hö­rer­schaft an der hie­si­gen Uni­ver­si­tät ziem­lich schnell spitz­ge­kriegt, dass es ein Stu­di­um der Phi­lo­so­phie ei­gent­lich (au­ßer eben his­to­risch) nicht gibt, son­dern ich in ei­nem sol­chen Stu­di­um das Stu­di­um von Phi­lo­so­phien übe und so das ei­ge­ne Phi­lo­so­phie­ren schär­fe, wie des Mes­sers Tu­gend am Wetz­stein er­frischt wird. Des­halb er­scheint mir auch die Re­de von ei­ner Aus­bil­dung un­sin­nig: Ich wüss­te nicht, wie mir ver­nünf­ti­ger­wei­se ge­zeigt wer­den könn­te, dass ein Phi­lo­so­phie­stu­di­um je­mand zur/m Philosoph/in macht — dann müss­te ein Kunst­stu­di­um auch jede/n zum Künst­ler oder zur Künst­le­rin ma­chen können.

Doch sol­che Stu­di­en­gän­ge ver­mit­teln eben nicht ein Wis­sen wie es z.B. der Ma­schi­nen­bau tut. Son­dern sie bil­den das, ge­ben dem ei­ne Form, was schon da ist. (Oder, ja, auch das Bild ei­nes Stein­met­zes (w/d/m) hat ei­ne Re­so­nanz: das weg­hau­en, was über­flüs­sig ist. Al­so die Flau­sen im Kopf ver­damp­fen las­sen.) Des­we­gen bit­te kei­ne Re­de mehr von ei­ner Phi­lo­so­phen-Aus­bil­dung, son­dern nur noch von der Phi­lo­so­ph/in­nen-Bil­dung. So kann sich das auch frei ma­chen von ei­ner aka­de­mi­schen Ver­ein­nah­mung und das, was als Den­ken zu gel­ten hat, auf den Kreis Uni­ver­si­täts­an­ge­hö­ri­ger ein­engen. „Na­tur­ge­mäß“ fin­den sich an der Uni­ver­si­tät vie­le Philosoph/innen. Zu­meist die, die es ge­schafft ha­ben, ihr Ta­xi ge­winn­brin­gend zu verkaufen.

Die letz­ten bei­den Ka­pi­tel des Es­says, »Was ist gu­te aka­de­mi­sche Phi­lo­so­phie« und »Was ist gu­te Po­pu­lär­phi­lo­so­phie« fin­de ich äu­ßerst ge­lun­gen. Im Ka­pi­tel über gu­te Aka­de­mie spricht Zorn von dem Ge­mein­sa­men viel­fäl­ti­ger aka­de­mi­scher Phi­lo­so­phie-Per­spek­ti­ven: das kri­ti­sche In-Fra­ge-Stel­len, das Mit-Grün­den-Recht­fer­ti­gen und die ra­di­ka­le Kri­tik (S. 92f). In drei Wor­ten von mir: Skep­sis, Skep­sis, Skep­sis. Und die­se Skep­sis nun ist ge­nau die »phi­lo­so­phi­sche Auf­merk­sam­keit« (S. 93). Und zu der kann nicht aus­ge­bil­det, son­dern, m.b.M.n., sich nur selbst her­aus­ge­bil­det wer­den. Denn da steckt ein Wag­nis da­hin­ter: Das Wag­nis, nach­her an­de­rer Mei­nung sein zu müs­sen als vor­her, und das der ei­ge­nen Ar­gu­men­te vor sich selbst we­gen. Da mag das Ge­burts­tags­kind des Jah­res, Jür­gen Ha­ber­mas, mit sei­nem zwang­lo­sen Zwang des bes­se­ren Ar­gu­men­tes, durchscheinen.

Und gu­te Aka­de­mie ist in der Tat ein gu­ter Ort für die­se Übung der ei­ge­nen Bil­dung, sei sie dann durch aka­de­mi­sche Wei­hen ab­ge­seg­net oder nicht. Si­cher­lich ist die Uni­ver­si­tät nicht der ein­zi­ge Ort in ei­ner als Bil­dungs­land­schaft auf­ge­fass­ten Welt, wo dies mög­lich ist. Wer in ei­nem Hand­werk oder ei­nem an­de­ren nicht-aka­de­mi­schen Mé­tier an eine/n gu­ten Meis­ter oder Meis­te­rin ge­rät, mag zur sel­ben Ein­sicht ge­lan­gen. Doch ich fürch­te, sol­che Bei­spie­le bes­ter Leh­re sind im Hand­werk wie an der Uni­ver­si­tät und auch an­der­orts nicht in dem Ma­ße ver­tre­ten, wie es wohl wün­schens­wert wä­re. Sonst gä­be es wo­mög­lich die Kluft zwi­schen aka­de­mi­scher und po­pu­lä­rer Phi­lo­so­phie über­haupt nicht und bei­de wür­den sich als For­men geis­ti­ger Tä­tig­keit auf­fas­sen kön­nen, kei­ner bes­ser oder schlech­ter als der an­de­re. Nur eben: An­ders. Wie ge­sagt, die Wahr­heit fin­det sich in der Dif­fe­renz zu an­de­ren, und nicht in den Sa­chen selbst. Was noch lan­ge kei­ne bi­po­la­re, oder, wir le­ben ja in Zei­ten künst­li­cher In­tel­li­genz, bi­nä­re „Dia­lek­tik“ erzwingt.

Das gro­ße Plus, und da stim­me ich Zorn aus ei­ge­ner Em­pi­rie voll und ganz zu, ist die Frei­heit von »Zwänge[n] der For­schung«, die sich Po­pu­lär­phi­lo­so­phie nimmt (S. 95), neh­men kann und ich möch­te sa­gen: so­gar neh­men soll. Und Zorn nennt auf S. 97 ei­nen wei­te­ren Punkt, in dem ich ihm un­um­wun­den bei­pflich­ten möchte: 

Sie [die Populärphilosopie;V.H.] wä­re [mit ei­nem rea­lis­ti­schen Anspruch;V.H.] nicht mehr die po­pu­lä­re Ver­si­on der aka­de­mi­schen Phi­lo­so­phie oder ei­ner aka­de­mi­schen Tradition.

Ge­nau die­sen Ein­druck ge­win­ne ich oft bei der Po­pu­lär­phi­lo­so­phie: Statt als ei­ge­nes phi­lo­so­phi­sches Gen­re ne­ben der aka­de­mi­schen Phi­lo­so­phie in Er­schei­nung zu tre­ten, übt sie sich (al­so ei­ni­ge ih­rer Vertreter/innen) ir­gend­wie ver­schämt dar­in, als „Aka­de­mie light“ auf­zu­war­ten und sich als be­son­ders ef­fi­zi­ent ge­gen die aka­de­mi­sche Phi­lo­so­phie zu ver­kau­fen (man kau­fe nur ein ein­zi­ges Buch und spa­re sich Jah­re, ja im­mer­wäh­ren­des Stu­di­um und wis­se so al­so letzt­gül­tig „Be­scheid“ (vgl. S. 21)1⇣Ei­ne gu­te Über­sicht bie­tet üb­ri­gens Stö­rig, H.J.: „Klei­ne Welt­ge­schich­te der Phi­lo­so­phie“. Er­setzt kein Voll­stu­di­um, ver­schafft aber … Wei­ter­le­sen…). Man könn­te den Ein­druck ge­win­nen, sie wetzt sich an der Aka­de­mie die Klin­ge, um sie dann kalt zu ma­chen. (Über­sieht da­bei aber viel­leicht de­ren di­ckes Fell.)

Zwei Din­ge sind mir noch auf­ge­fal­len: Durch das Buch zieht sich ei­ne Fra­ge, die auf S. 33 erst­mals ge­stellt wird:

Wie soll man je­man­den das, was er nicht ge­lernt hat, bei­brin­gen, wenn das, was ihm fehlt, die Be­din­gung da­für ist, dass er es ler­nen kann?

Die Ge­gen­fra­ge, die ich da an­zu­bie­ten hät­te, ist: Kann die Be­din­gung zur Mög­lich­keit über­haupt ge­lehrt wer­den? Oder ist es viel­leicht nicht viel­mehr so, dass et­was ‚ge­weckt‘ wer­den muss? Und ei­ne mög­li­che Ant­wort ha­be ich dann auf S. 53 ge­fun­den, es ist die Über­schrift des Ka­pi­tels, das dort beginnt:

Die Welt ver­lie­ren, um die Welt zu gewinnen

Ich muss­te bei die­ser Über­schrift so­fort an ei­nen Men­schen den­ken, der, so­weit ich weiß, auch kei­ne Phi­lo­so­phie stu­diert hat, aber zu­wei­len recht sinn­vol­le Sät­ze äu­ßert. Wie z.B. diesen:

Da­hin ge­hen, wo man um­kom­men kann, um nicht umzukommen.

Die­sen Satz ken­ne ich von Rein­hold Mess­ner, sei­nes Zei­chens eme­ri­tier­ter Al­pi­n­eur der ganz hef­ti­gen Sorte.

Bei al­ler Be­schei­den­heit, zu der ich gu­te Grün­de ha­be, möch­te ich hier nun doch noch auf mein Pro­jekt der Di­let­tan­tie hin­wei­sen, die ich aus­zu­ar­bei­ten, na, ich blei­be Witt­gen­stein treu: zu skiz­zie­ren ge­den­ke. Die­se Di­let­tan­tie soll sich als ei­ne wei­te­re, ernst­zu­neh­men­de Wei­se des Phi­lo­so­phi­schen ver­ste­hen und sich in der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis eta­blie­ren. Nicht un­ter und nicht über den an­de­ren Wei­sen, son­dern ne­ben ih­nen. Oder, die ba­lan­cie­ren­de Mit­te noch ein­mal auf­grei­fend: Zwi­schen U‑Philosophie und E‑Philosophie ei­ne P‑Philosophie ma­ni­fes­tie­ren, ei­ne prak­ti­zier­te Phi­lo­so­phie.

Denn: Se­he ich die aka­de­mi­sche Phi­lo­so­phie sich ei­ner Phi­lo­so­phie als Wis­sen­schaft ver­pflich­tet, möch­te ich das, was die di­let­tan­ti­sche aus­zeich­net, mit glei­chem Ernst und An­spruch, als sich dem Phi­lo­so­phi­schen im Ver­ständ­nis ei­ner Kunst zu­wen­dend ver­stan­den wissen.

Ge­gen ei­ne Ein­ord­nung ei­ner sol­chen di­let­tan­ti­schen Phi­lo­so­phie als Po­pu­lär­phi­lo­so­phie hät­te ich gar nichts ein­zu­wen­den. So­lan­ge sie von ei­ner di­let­tan­tis­ti­schen und in mei­nen Au­gen da­mit po­pu­lis­ti­schen Wei­se der (ver­meint­li­chen) Ver­phi­lo­so­phi­sie­rung der Welt streng un­ter­schie­den, ja, eben: ge­schie­den ist.

Sol­che Din­ge zu wa­gen, sich der Kri­tik aus­setz­bar zu ma­chen, mög­li­chen Schmä­hun­gen oder be­mit­lei­den­den Äu­ße­run­gen oder an­de­re Wei­sen der Ab­wer­tung in Kauf zu neh­men, meint »Die Welt ver­lie­ren«. Sei­ne In­sel der See­lig­keit ge­schaf­fen zu ha­ben, nach jahr­zehn­te­lan­gen Auf­häu­fen von Sand im wei­ten Meer des Den­kens, und die­se In­sel nun zu be­woh­nen und zu be­haup­ten, ihr ei­nen den­ken­den Kopf auf­zu­set­zen, das meint »Welt gewinnen«. 

Als ich über Twit­ter von der Exis­tenz die­ses Bu­ches er­fuhr, frag­te ich den Au­tor, dass „Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis“ wohl nicht vor­kä­me, was die­ser auch be­stä­tig­te. Nun, Herr Zorn, ich wa­ge da zu wi­der­spre­chen (Viel­leicht geht es Ih­nen ja wie Kant und sie ver­ste­hen sich sel­ber nicht (vgl. S 86f)): Der Es­say ist aus mei­ner Per­spek­ti­ve ein Es­say von und über phi­lo­so­phi­sche Pra­xis, wie ich sie in mei­ner phi­lo­so­phi­schen wie Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis übe, in dem ich es, das Phi­lo­so­phie­ren, nicht ge­nau­so, aber in ei­nem sol­chen Sinn von »die Phi­lo­so­phie« ausübe.

Zu­min­dest übe ich mich darin.

Lit.:
Zorn, Da­ni­el-Pas­cal: Shoo­ting Stars.
Klos­ter­mann, Frankfurt/Main, 2019. 

Zu gu­ter Letzt: Soll­ten dem/r Leser/in ei­ni­ge Zei­len hier merk­wür­dig sinn­frei er­schei­nen: Le­sen Sie das Büch­lein »Shoo­ting Stars«, dann er­hellt sich das schon. Der Sei­ten­hieb mit der 42 und die Sa­che mit dem Fisch geht na­tür­lich voll und ganz auf das Kon­to von Douglas Adams. Soll­te im­mer noch et­was un­klar sein, han­delt es sich al­ler Wahr­schein­lich­keit nach schlicht um ei­ne iro­ni­sche Be­mer­kung. Denn der Hu­mor hat bei al­lem Ernst auch in der Phi­lo­so­phie sei­nen Platz, nicht nur als Iro­nie. Ge­ra­de in der di­let­tan­ti­schen. Ein Lu­xus, den sich die­se leis­ten kann. Denn: Was wä­re Phi­lo­so­phie oh­ne Witz?

Re­fe­ren­ces
1 Ei­ne gu­te Über­sicht bie­tet üb­ri­gens Störig, H.J.: „Klei­ne Welt­ge­schich­te der Phi­lo­so­phie“. Er­setzt kein Voll­stu­di­um, ver­schafft aber Orientierung.

Was ist Therapie, eigentlich?

Ein Versuch, ein mögliches Missverständnis aufzuklären.

Der die­sem Bei­trag zu­grun­de­lie­gen­de Text be­schreibt ei­ni­ge For­men der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis und stellt sie in Be­zug zur kli­ni­schen Pra­xis. Zu­nächst soll die­ser zu­sam­men­fas­send dar­ge­stellt wer­den, um da­nach ei­nen klei­nen Ein­blick in das Fun­da­ment der Ar­beit in mei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis darzulegen.

Der Ar­ti­kel nennt drei For­men des Ein­sat­zes der Phi­lo­so­phie im the­ra­peu­ti­schen Um­feld. Zu­nächst wird Wil­helm Schmid an­ge­führt mit sei­nem Kon­zept ei­ner phi­lo­so­phi­schen Seel­sor­ge, in der ei­ne Her­me­neu­tik der Exis­tenz ei­ne zen­tra­le Rol­le spielt. Das zwei­te vor­ge­stell­te Kon­zept ist das ei­ner Kli­ni­schen Phi­lo­so­phie, wie es von Mar­tin Pol­t­rum ent­wi­ckelt wur­de. »Das me­ta­phy­si­sche Be­dürf­nis des Men­schen« ist hier die Grund­idee da­hin­ter. Aber auch Fra­gen der Äs­the­tik, der »‚Leis­tungs­kraft des Schö­nen‘«, ist ein Ab­satz ge­wid­met. Schließ­lich mün­det die­se Form des Phi­lo­so­phie-Ein­sat­zes in ein Kon­zept, das aus der Po­si­ti­ven Psy­cho­lo­gie be­kannt ist und die po­si­ti­ven Sei­ten der mensch­li­chen Exis­tenz in den Blick nimmt.

Schließ­lich wird als drit­tes Kon­zept das der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis vor­ge­stellt, wie sie von Gerd B. Achen­bach in den 1980er Jah­ren in Deutsch­land ins Le­ben ge­ru­fen wur­de. Zen­tra­ler Be­griff sei­nes Kon­zep­tes ist die Le­bens­kön­ner­schaft, was vor al­len Din­gen ein »Aus­hal­ten­kön­nen des Un­ver­füg­ba­ren« meint. An­ders als bei den bei­den An­sät­zen oben, zielt die­se phi­lo­so­phi­sche Pra­xis al­so nicht auf The­ra­pie oder Ge­sun­dung ab, son­dern auf ein zu­recht­kom­men kön­nen mit dem Le­ben, wie es ist — weil dar­in ein tie­fe­rer Sinn ge­bor­gen liegt. So wird Ei­ke Brock mit »›Dann zeigt sich, dass die Schwer­mut ei­nen Sinn hat; und die­ser Sinn kor­re­liert mit ih­rer Schmerz­haf­tig­keit: Der In­ten­si­tät des Schmer­zes ent­spricht die Tie­fe des Sinns. Und end­lich wirkt der ent­deck­te bzw. be­grif­fe­ne Sinn wie­der­um als Bal­sam auf den Schmerz zu­rück‹« zitiert.

Es schlie­ßen sich kur­ze Ab­ris­se wei­te­rer For­men der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis an. Ein­lei­tend da­zu wird Karl Jas­pers an­ge­führt und ein Hin­weis dar­auf ge­setzt, dass Gren­zen auch im­mer et­was Ver­bin­den­des ha­ben. Es wird, oh­ne ei­ne Quel­le zu nen­nen, pos­tu­liert, »Für Phi­lo­so­phi­sche Prak­ti­ker ist Den­ken näm­lich nicht nur ein Re­fle­xi­ons­or­gan, son­dern in ers­ter Li­nie auch ein Wahr­neh­mungs­or­gan.« und so­dann ei­ne Ana­lo­gie zur Haut als größ­tes Wahr­neh­mungs­or­gan ge­nannt. Der Hin­weis auf den Aus­tausch an Grenz­flä­chen, als Prin­zip phy­sio­lo­gi­scher Aus­tausch­pro­zesse, schließt den Ab­satz, der Me­di­zin mit Phi­lo­so­phie ver­bin­det, ab. (Es sei der Voll­stän­dig­keit hal­ber da­zu er­wähnt, dass Karl Jas­pers über die Psych­ia­trie zur Phi­lo­so­phie kam.)

Als ei­ne Ver­tre­te­rin die­ser Form wird Pe­tra von Mor­stein ge­nannt. Für ih­re Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis ist Ver­bun­den­heit die es­sen­ti­el­le Ba­sis: »›Ein mensch­li­ches Pro­blem ist des­halb nie­mals nur das Pro­blem des An­de­ren, son­dern im­mer auch mei­nes‹«. Die Au­toren stel­len fest: »Als kri­ti­sche Phi­lo­so­phie ist sie[die Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis der Ver­bun­den­heit,V.H.] pri­mär Wi­der­stand ge­gen die Ent­frem­dung« und Tho­mas Po­led­nit­schek wird mit »›Selbst­ent­frem­dung und Welt­ent­frem­dung ent­spre­chen sich‹« zi­tiert. Die trei­ben­de Kraft die­ser Wei­se Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis ist al­so das »Wi­der die Selbst- und Weltentfremdung«.

Als wei­te­re Re­fe­renz für ei­ne Form Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis wird, oh­ne Kolleg/innen zu nen­nen, der So­zio­lo­ge Hart­mut Ro­sa und sein Kon­zept der Re­so­nanz an­ge­führt. »Der p[!;V.H.]hi­lo­so­phi­schen Pra­xis ent­spricht ei­ne Me­di­zin, die sich als hö­ren­de Me­di­zin ver­steht, wel­che um die Be­deu­tung von Re­so­nanzerfah­run­gen zwi­schen Pa­ti­en­ten und Ärz­ten weiß.«

Im dar­auf fol­gen­den Ab­satz wer­den die Po­ten­zia­le Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis er­ör­tert. Zu­nächst wird auf die Fä­hig­keit des Men­schen, sich mit dem Gan­zen in Be­zie­hung zu set­zen hin­ge­wie­sen und mit »Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis will kran­ken Men­schen hel­fen, durch Ge­las­sen­heit Kraft zu schöp­fen.« auf die Ge­müts­ru­he ver­wie­sen. (Ei­ne Tu­gend der grie­chi­schen Stoa und auch im Bud­dhis­mus fin­det sich die­ser An­satz.) Ins­ge­samt zeigt die­ser Ab­satz für den Au­tor die­ses Bei­tra­ges hier die Ver­bun­den­heit der so ver­stan­de­nen Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis mit der christ­li­chen Re­li­gi­on auf und be­zieht sich na­ment­lich häu­fig auf den Phi­lo­so­phen, Theo­lo­gen, Psy­cho­lo­gen, Psy­cho­the­ra­peu­ten und Phi­lo­so­phi­schen Prak­ti­ker Tho­mas Po­led­nit­schek.

Zum En­de hin wird die Mög­lich­keit der Zu­sam­men­ar­beit von Ärz­ten und Phi­lo­so­phen kurz mit ei­nem Ver­weis auf ein mög­li­ches Ein­spar­po­ten­ti­al durch be­schleu­nig­te Re­ha­bi­li­ta­ti­on und der Min­de­rung von Be­hand­lungs­bar­rie­ren dar­ge­legt. Das prak­ti­sche Bei­spiel im Um­gang mit dem Ad­hä­renz­pro­blem (al­so dem nicht-Be­fol­gen der ärzt­li­chen An­wei­sun­gen durch den Pa­ti­en­ten) und die ab­run­den­den Be­mer­kun­gen »Lei­der sind bis­her kei­ne aus­rei­chen­den, evi­denz­ba­sier­ten Da­ten zu mög­li­chen fi­nan­zi­el­len Vor- und Nach­tei­len des phi­lo­so­phi­schen Prak­ti­zie­rens im sta­tio­nä­ren und am­bu­lan­ten Be­reich ver­füg­bar, um das oben ge­nann­te Kon­zept der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis zu un­ter­stüt­zen.« und »Er­fah­run­gen kli­ni­scher Pra­xis zei­gen, dass Fa­mi­li­en wäh­rend des Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes am meis­ten ver­misst ha­ben, dass Ärz­te und Kran­ken­schwes­tern nicht ge­nug Zeit hat­ten, um die Aus­wir­kun­gen der Krank­heit auf ihr Le­ben zu er­klä­ren.« zei­gen ab­schlie­ßend auf, »dass Pa­ti­en­ten und ih­re Fa­mi­li­en von dem phi­lo­so­phi­schen An­satz pro­fi­tie­ren können.«

So­weit der Blick auf den Bei­trag »Phi­lo­so­phie als The­ra­pie? – Per­spek­ti­ven für die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung« von Jür­gen Man­ne­mann und Jo­chen Eh­rich in der »Zeit­schrift für me­di­zi­ni­sche Ethik«, 65. Jg. 2019, Heft 2, S. 129 – 141 (Be­zugs­quel­len­link sie­he un­ten) aus mei­ner Perspektive.

Mein An­satz – viel­leicht ist eher von ei­ner Ge­wich­tung zu spre­chen – der be­ruf­li­chen Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis aber auch der pri­va­ten phi­lo­so­phi­schen Pra­xis hat als ar­chi­me­di­schen Punkt die Phi­lo­so­phie des Lud­wig Witt­gen­stein. Nicht nur das phi­lo­so­phi­sche Werk die­ses Den­ken­den, son­dern auch der Mensch in sei­nem Rin­gen und Den­ken um und über das Menschsein.

Ei­ne hier re­le­van­te Be­mer­kung – es sei noch­mals be­tont, dass ich bei Witt­gen­stein nur schwer­lich Le­ben und Werk tren­nen kann – ist §255 in den Phi­lo­so­phi­schen Un­ter­su­chun­gen (PU) zu finden:

Der Phi­lo­soph be­han­delt ei­ne Fra­ge; wie ei­ne Krankheit

Man könn­te, et­was sehr über­poin­tiert, sa­gen, dass sich hier wohl das wich­tigs­te Se­mi­ko­lon der ge­sam­ten Phi­lo­so­phie­ge­schich­te fin­den lässt. Denn es steht dort nicht: „Der Phi­lo­soph be­han­delt ei­ne Fra­ge wie ei­ne Krankheit.“

Wir ha­ben es al­so mit zwei Sät­zen zu tun:

„Der Phi­lo­soph be­han­delt ei­ne Frage.“
„Wie ei­ne Krankheit.“

Es liegt na­he, den zwei­ten Satz zu ei­nem voll­stän­di­gen Satz zu erweitern:
„Wie ein Arzt ei­ne Krankheit.“

Das Verb bei­der Sät­ze ist „be­han­deln“ und zu ei­nem Satz zu­sam­men­ge­fügt kann ge­le­sen wer­den: „Der Phi­lo­soph be­han­delt ei­ne Fra­ge wie ein Arzt ei­ne Krank­heit behandelt.“

Schau­en wir uns das Verb „be­han­delt“ nä­her an, und ge­hen zu­nächst vom Arzt aus. Be­han­delt ein Arzt oder ei­ne Ärz­tin ei­nen Pa­ti­en­ten, so ste­hen ihm da­für di­ver­se Me­tho­den zur Ver­fü­gung, je nach Dia­gno­se. Die­se sind über die Jah­re, Jahr­zehn­te, Jahr­hun­der­te er­probt, mo­di­fi­ziert, ad­ap­tiert und spie­geln den ak­tu­el­len Stand me­di­zi­ni­schen Wis­sens, zu­min­dest soll­te man da­von ausgehen.

Ge­hen wir von ei­ner klei­nen Schnitt­wun­de aus (was nun nicht un­be­dingt ei­ne Krank­heit ge­nannt wer­den kann, doch zur Il­lus­tra­ti­on soll es zu­läs­sig sein). Die Pa­ti­en­tin wird durch die Ärz­tin z.B. wie folgt be­han­delt: säu­bern der Wun­de; In­sicht­nah­me auf tie­fe­re Ver­let­zun­gen; wenn sol­che, Über­wei­sung an ent­spre­chen­de Stel­le; wenn nicht, Des­in­fi­zie­ren der Wun­de; auf­tra­gen ei­ner heil­för­dern­den Sal­be; ver­bin­den der Wun­de; po­si­ti­ver Satz zum Ab­schluss: „Das wird wie­der. In zwei Ta­gen kann der Ver­band ab.“

Nun ist der Au­tor die­ser Zei­len kein prak­ti­zie­ren­der Arzt, son­dern prak­ti­zie­ren­der Phi­lo­soph, und so kann ich nur wün­schen, die­sen Al­go­rith­mus im we­sent­li­chen kor­rekt wie­der­ge­ge­ben zu ha­ben. Den Witz, wie ein Phi­lo­soph ei­ne sol­che Wun­de be­han­delt, spa­re ich mir, der Phan­ta­sie der Le­ser­schaft sei da frei­en Lauf gelassen.

Viel ent­schei­den­der ist: Wo­mit hat es ein/e Philosoph/in zu tun? Mit Witt­gen­stein mit ei­ner Fra­ge. Ver­ste­hen wir al­so nun, um in der er­öff­ne­ten Ana­lo­gie zu blei­ben, ei­ne Fra­ge als Wun­de. Wie sieht nun der Al­go­rith­mus der Be­hand­lung aus?

Tja, „es kümmt dar­auf an…“ (Der aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­se­ne Ver­weis auf Karl Marx sei an die­ser Stel­le erlaubt.)

Ich kür­ze ab: Ei­ne Fra­ge ist kei­ne Wun­de. Ei­ne Fra­ge ver­ste­he ich als ei­ne Of­fen­heit. Es ist et­was un­ge­klärt. Un­klar. Fra­gen tun nicht weh und füh­ren auch nicht zum To­de. Den­noch kön­nen sie ein Loch rei­ßen in die Wohl­ge­fügt­heit un­se­rer Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten. Wie ein Schnitt in die Haut.

Die Be­hand­lung ei­ner Fra­ge durch eine/n Philosophierende/n be­steht für mich nun dar­in, die Un­klar­heit zu be­sei­ti­gen. Wenn al­ler­dings die Un­klar­heit be­sei­tigt ist, was pas­siert dann mit der Fra­ge? Ja, ge­nau: Sie ver­schwin­det. So schreibt Witt­gen­stein in §133 der PU:

Denn die Klarheit,
die wir an­stre­ben, ist al­ler­dings ei­ne voll­kom­me­ne. Aber das heißt nur, dass die phi­lo­so­phi­schen Pro­ble­me voll­kom­men ver­schwin­den sollen.

Im glei­chen Pa­ra­gra­fen fin­det sich auch dies:

Es gibt nicht ei­ne Me­tho­de der Phi­lo­so­phie, wohl aber gibt es Me­tho­den, gleich­sam ver­schie­de­ne Therapien.

Phi­lo­so­phen hei­len nicht; sie be­glei­ten beim Klären.

Das wä­re als Cre­do mei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis über die Ein­gangs­tür zu hän­gen, frei­lich gleich ne­ben dem „Gno­thi se­au­ton“ (Er­ken­ne Dich selbst), dem „Me­den agan“ (Nichts im Über­maß) und dem „Ei“ (Du bist).

Hei­len denn Ärz­te? Oder ist es nicht viel­mehr so, dass ei­ne Ärz­tin sich dar­in übt, dem Kör­per ei­nes Pa­ti­en­ten ein in­ne­res wie äu­ße­res Um­feld bzw. In­feld zu schaf­fen, in und mit dem er sich er­ho­len kann, eben: hei­len kann? The­ra­pie (im grie­chi­schen Ur­sprung des Wor­tes be­deu­tet es „Dienst, Pfle­ge, Hei­lung“) will phi­lo­so­phisch viel­leicht so ver­stan­den wer­den, als es eben um Be­din­gun­gen geht, die zu ver­än­dern sind, um dem Kör­per die bes­ten Mög­lich­kei­ten zur Ge­ne­sung an­zu­bie­ten, je nach Stand des Wis­sens. Für die Psy­cho­the­ra­pie kann die­ses Ver­ständ­nis auch sinn­voll er­schei­nen: Nicht der The­ra­peut heilt, der Pa­ti­ent heilt sich. Die The­ra­peu­tin übt sich dar­in, für die­sen Hei­lungs­pro­zess die best­mög­li­chen Be­din­gun­gen zu schaffen.

Wie sieht es nun mit dem The­ra­pie-Ver­ständ­nis in mei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis aus? Nun ist hier frei­lich er­gän­zend hin­zu­zu­set­zen, dass Witt­gen­stein von phi­lo­so­phi­schen Pro­ble­men spricht. Und so ist dar­auf zu ach­ten, dass in ei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis ein Pro­blem, ei­ne Fra­ge, zu ei­nem phi­lo­so­phi­schen Pro­blem, ei­ner phi­lo­so­phi­schen Fra­ge ge­macht wird. Denn hier ha­ben wir es eben nicht mit psy­cho­lo­gi­schen, psych­ia­tri­schen, me­di­zi­ni­schen, betriebs­wirt­schaft­lichen, theo­lo­gi­schen… Pro­ble­men, al­so Fra­gen, zu tun, son­dern wol­len phi­lo­so­phi­sche Pro­ble­me, al­so Fra­gen, er­ör­tern: zum Ver­schwin­den bringen.

Doch hier tut sich ei­ne ganz gro­ße Fra­ge auf, so­zu­sa­gen ei­ne un­heil­ba­re, klaf­fen­de Wun­de: Was macht ein Pro­blem phi­lo­so­phisch? Wie ma­che ich aus ei­nem me­di­zi­ni­schen Pro­blem, grei­fen wir’s viel wei­ter: ei­nem Le­bens­pro­blem, ei­ne phi­lo­so­phi­sche Fra­ge? Wenn ich Fra­gen nach dem Le­bens­voll­zug stel­le, sind wir viel­leicht viel nä­her an et­was wie Re­li­gi­on als an Phi­lo­so­phie – auch wenn die Fra­ge des ge­lin­gen­den Le­bens be­reits bei So­kra­tes ei­ne phi­lo­so­phi­sche war. Doch das wa­ren an­de­re Zeiten. 

Witt­gen­steins Werk, so­weit von mir re­zi­piert, ge­le­sen und ver­stan­den, ist ein Rin­gen um und mit der Klar­heit. Im­mer wie­der geht es dar­um, Klar­heit zu schaf­fen. Und ich den­ke, aus mei­nem Zu­gang her­aus, auch Witt­gen­stein selbst lag es an ei­ner Klar­heit sich selbst ge­gen­über, um ein an­stän­di­ger Mensch sein zu können.

Und so kann ich sa­gen: Wie wir nur Freun­de der Weis­heit sein kön­nen, eben Phil-o-so­ph/in­nen, kön­nen wir auch nur Freun­de der Klar­heit sein. Phil-o-sa­ph/in­nen (aus σαφήνεια, sa­pheneia: „Klar­heit, Deut­lich­keit“ [Pape 1880]). Ein/e solche/r übt sich in en­ar­geia, «ἐν-άργεια, ἡ, Klar­heit, Deut­lich­keit, le­ben­di­ge Dar­stel­lung von Et­was, so daß man es deut­lich vor Au­gen zu se­hen glaubt« [ebd.].

Die­se Deut­lich­keit, Klar­heit hat auch in der Phi­lo­so­phie ei­nen Fach­wort: Evi­denz.

Und die­se Hal­tung ma­che ich mir zu ei­gen, wenn ich in mei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis tä­tig bin. Ich hei­le nicht, denn ich glau­be nicht, dass Phi­lo­so­phie hei­len kann. Ich klä­re nicht, denn ich glau­be, dass Klar­heit stets nur durch ein Sub­jekt in der Wei­se pro­du­ziert wer­den kann und wird, wie es für eben die­ses In­di­vi­du­um in je­ner Si­tua­ti­on, die­sem Sach­ver­halt, zu­träg­lich ist.

Al­les, was ich tue, wor­in ich mich übe, ist, da­bei zu un­ter­stüt­zen, ei­nen „Raum“, ei­ne „Pra­xis“, ein „La­bor“ zu er­öff­nen, in dem die­se Klar­heit zu­ge­gen sein darf. In dem ein Pro­blem ver­schwun­den sein darf. Und ein Blick dar­auf er­hascht wer­den kann, was das wohl für das ei­ge­ne und das Le­ben an­de­rer be­deu­ten könnte.

Was es für ei­nen Un­ter­schied macht, oh­ne ein Pro­blem zu sein. Ob es sinn­voll ist.

Vom Wesen {p|P}hilosophischer Praxis

Aus gegebenen Anlass: Eine Einlassung.

Die fol­gen­den Aus­füh­run­gen be­zie­hen sich auf den un­ten ver­link­ten Ar­ti­kel »The­ra­pie durch Phi­lo­so­phie« in DIE ZEIT №24 vom 6. Ju­ni 2019.

Als ei­ner der­je­ni­gen, die seit ge­rau­mer Zeit ei­ne Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis (PP) füh­ren, kann ich den Ar­ti­kel nicht un­kom­men­tiert las­sen. Zu un­de­fi­niert ist das Be­rufs­feld, als dass ei­ne ein­zel­ne Sicht das Feld do­mi­nie­ren könn­te und so­mit die Deu­tungs­ho­heit über ei­nen im Grun­de nicht klär­ba­ren Be­griff Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis al­lein ei­ni­gen we­ni­gen über­las­sen wird.

Der Text er­scheint mir ten­den­zi­ös, zu ei­ner „Busi­ness-PP“ hin. Die­ses Feld wird al­ler­dings be­reits durch die Per­so­nal- & Organisations­ent­wick­lung (PE/OE) be­spielt, wo­zu es auch zahl­rei­che Qua­li­fi­zie­run­gen auf pri­vat­wirt­schaft­li­cher wie uni­ver­si­tä­rer Ba­sis gibt. Der Text be­schreibt in wei­ten Tei­len die Tä­tig­keit ei­nes wirt­schaft­li­chen Ak­teurs mit ab­sol­vier­ten Phi­lo­so­phie­stu­di­um, der im Ge­schäfts­be­reich PE/OE in Un­ter­neh­men zum Ein­satz kommt. Ei­nem Be­reich, in dem über­wie­gend Psy­cho­lo­gen, aber auch Theo­lo­gen, Phi­lo­so­phen und an­de­re Geistes­wissen­schaft­ler tä­tig sind.

PP als ei­ne ‚an­de­re‘ PE/OE hin­zu­stel­len, ist un­sin­nig; denn das er­öff­net ei­ne un­nö­ti­ge und völ­lig über­flüs­si­ge Kon­kur­renz in ei­nem Feld, das für vie­le Geisteswissenschaftler/innen als an­re­gen­des Be­tä­ti­gungs­feld in­ner­halb von Un­ter­neh­men mit lu­kra­ti­ven Ge­halts­struk­tu­ren an­ge­se­hen wer­den kann.

Als ei­ner der­je­ni­gen, die ei­ne Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis füh­ren, ver­tre­te ich ei­ne Po­si­ti­on, nach der sich PP im­mer an den ein­zel­nen Men­schen wen­den soll­te, nicht an Rol­len in Un­ter­neh­men, die durch Men­schen er­füllt wer­den. Be­ra­tun­gen der Rol­len oder gar gan­zer Un­ter­neh­men möch­te ich von ei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis, wie sie wohl ein Gerd Achen­bach 1981 mit der Er­öff­nung der ers­ten Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis in Deutsch­land an­ge­dacht hat, differenzieren.

Nun kann al­ler­dings je­der Ein­satz der Phi­lo­so­phie als Mit­tel eben als ei­ne phi­lo­so­phi­sche Pra­xis an­ge­se­hen wer­den. So kann bei­spiels­wei­se von ei­ner aka­de­mi­schen phi­lo­so­phi­schen Pra­xis, ei­ner kom­mer­zi­el­len phi­lo­so­phi­schen Pra­xis und ei­ner pri­va­ten phi­lo­so­phi­schen Pra­xis ge­spro­chen wer­den. Al­le drei For­men von phi­lo­so­phi­schen Prak­ti­ken Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis stre­ben frei­lich an, durch die Aus­übung von Tä­tig­kei­ten mit phi­lo­so­phi­schem Be­zug gut le­ben zu kön­nen, sind al­so in die­sem Sin­nen al­le kom­mer­zi­ell. Der Ter­mi­nus „kom­mer­zi­el­le phi­lo­so­phi­sche Pra­xis“ soll in die­ser Auf­zäh­lung schlicht den Ein­satz phi­lo­so­phi­schen Wis­sens im Be­reich der PE/OE abbilden.

Im Text er­ken­ne ich im wei­te­ren ei­ne star­ke Be­to­nung ei­nes in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Neo­li­be­ra­lis­mus und das er­weckt bei mir den Ein­druck ei­nes Re­kru­tie­rungs­tex­tes – er soll ver­füh­ren, die­ser Text. Da­zu ver­füh­ren, ei­nen Bil­dungs­gang oder Post­gra­du­ie­ren-Stu­di­en­gang zu be­le­gen und sich als Phi­lo­so­phi­scher Prak­ti­ker zu qua­li­fi­zie­ren, da­mit man im glo­ba­len Busi­ness zu­kunfts­träch­tig und nach­hal­tig auch als Geisteswissenschaftler/in mit­spie­len kann und nicht ab­ge­hängt wird.

Wer­be­tex­te kom­men so da­her, das ist völ­lig normal.

Des Wei­te­ren regt mich der Text da­zu an, strikt zwi­schen ‚phi­lo­so­phi­schem Wis­sen‘ (hier: als der Um­stand des Ken­nens von Phi­lo­so­phien und de­ren in­stru­men­tel­ler Ein­satz) und ‚Weis­heit‘ (hier: die Tä­tig­keit des Phi­lo­so­phie­rens als sol­cher) zu unterscheiden.

Objektive Analyse

So­weit das qua­li­ta­ti­ve, sub­jek­ti­ve Fa­zit. Wie sieht es quan­ti­ta­tiv, ob­jek­tiv aus? Die vor­ge­nom­me­ne Ob­jek­ti­vie­rung ist frei­lich durch ein Sub­jekt er­folgt und ge­stal­tet sich me­tho­disch der­art, dass der On­line-Text ab­satz­wei­se in fünf The­men­be­rei­che auf­ge­schlüs­selt wur­de und in die­sen Be­rei­chen ei­ne Wort­zäh­lung vor­ge­nom­men wur­de. Auf Grund­la­ge die­ser Me­tho­de zeigt die vor­ge­nom­me­ne Ein­ord­nung in die The­men­be­rei­che I‑V ein an­de­res Bild: PP im All­ge­mei­nen liegt bei 23%, PP im pri­va­ten Kon­text bei 39%, PP im ge­schäft­li­chen Kon­text zeigt „nur“ 27%, so der Misch­be­reich IV hälf­tig auf­ge­teilt wird. Der Text ist ge­rahmt von 11% all­ge­mei­nen Text, der nicht di­rekt zu ei­nem The­ma zu­ge­ord­net wur­de (Einleitung/Schluss).

Es zeigt sich al­so hier ein durch­aus aus­ge­wo­ge­ner In­halt, so­gar mit ei­ner Ten­denz zur pri­va­ten phi­lo­so­phi­schen Pra­xis – ein/e andere/r Leser/in kann al­so wohl durch­aus auch ei­nen an­de­ren Ein­druck des Tex­tes er­hal­ten als der Au­tor die­ses Re­sü­mees sub­jek­tiv als Lek­tü­re­er­leb­nis er­fah­ren hat.

Kommentierung aus Sicht eines weiteren Akteurs

Für das Fol­gen­de gilt, und dies kann nicht oft ge­nug be­tont wer­den: Es ist mein Ver­ständ­nis Phi­lo­so­phi­scher Pra­xis, nicht ei­ne Be­schrei­bung der Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis. Die gibt es m.b.M.n. nicht, sie kann es nicht ge­ben und das ist auch gut so. Denn ge­nau das macht die­se Ar­beit phi­lo­so­phisch: Das Ver­hal­ten müs­sen zu et­was Un­ver­füg­ba­ren, Un­be­stimm­ba­ren, Unklarem. 

Was der Ar­ti­kel – des­sen Exis­tenz grund­sätz­lich er­freu­lich ist, ver­mag er doch PP in’s öf­fent­li­che Ge­spräch zu brin­gen – nicht ah­nen lässt: Das Füh­ren ei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis ist ei­ne recht in­di­vi­du­el­le An­ge­le­gen­heit und ich ver­tre­te hier mei­ne An­sicht, dass es kei­ne Ausbil­dung zum/r ‚Phi­lo­so­phi­schen Praktiker/in‘ ge­ben kann: Die Bil­dung ei­nes Men­schen be­ginnt nicht erst in der Schu­le und hört ge­wiss nicht mit ei­nem Ti­tel, ‚Ab­schluss‘ auf. Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis ist auch für die die­sen Be­ruf aus­üben­den ein stän­di­ges Ein­las­sen dar­auf, nach­her mög­li­cher­wei­se an­ders zu den­ken als man es noch vor­hin tat. Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis in die­sem Ver­ständ­nis aus­ge­übt, ist ei­ne Wech­sel­wir­kung der Bil­dung zwi­schen Gast und Praktiker/in. Das darf nie ver­ges­sen wer­den, geht es an’s Ein­ge­mach­te und da­mit die Sa­che des Gel­des. Ein PP ist im­mer auch Pro­fi­teur sei­ner Beratungen.

Hier kann nun die Fra­ge auf­ge­wor­fen wer­den: „Wenn dem so ist, wie­so soll­te ich als Gast denn dann zah­len? Im Grun­de hat der PP mich zu bezahlen!“

Nun, die­se Hal­tung mag ge­ra­de bei ei­nem „wei­chen“ An­ge­bot wie PP, die kein Pro­dukt ver­kauft, son­dern ei­nen Pro­zess be­glei­tet, ver­füh­re­risch sein. Gab und gibt es denn nicht die Pries­ter und Pastor/innen, die für die­se Tä­tig­keit in glei­cher Wei­se ge­eig­net sind. Die kos­ten ja auch nichts!

Ver­kannt wird hier­bei, das die­se Theolog/innen über ei­ne Kir­che be­zahlt wer­den, die ih­re Ein­nah­men, mit de­nen sie ih­re An­ge­stell­ten be­zahlt, auch aus Steu­er­gel­dern ge­stal­tet. Es ist al­so kei­nes­wegs so, dass es nichts kos­ten wür­de – der mo­ne­tä­re Bei­trag ver­schwin­det nur in ei­nem Kon­vo­lut all­ge­mein ge­leis­te­ter Beiträge.

Als letz­tes Ar­gu­ment: Wenn Sie, werte/r Leser/in die­ser Zei­len, sich über den ge­rin­gen Zug im Ka­min be­kla­gen und den Ka­min­fe­ger ho­len, kön­nen Sie ja nun schlecht zu ihr/ihm sa­gen: „Durch die­sen Auf­trag ler­nen Sie ja was da­zu! Al­so ha­ben sie mich zu be­zah­len!“ Je­de Ar­beit, ja: jed­we­de Tä­tig­keit, die wir ver­rich­ten, er­wei­tert un­se­ren Er­fahr­ungs­hori­zont. In ei­ner idea­len Welt zahl­te der Ei­ne der An­de­ren und um­ge­kehrt, die ge­gen­sei­tig ge­stell­ten Rech­nun­gen ge­hen letzt­lich in Null auf. In un­se­rer rea­len Welt mit ih­rem Geld­fluss be­kom­men Sie, wer­te Kund(ig)en (w/d/m), von ei­ner an­de­ren Sei­te ihr Geld für ih­re Ar­beit, an und mit der sie wachsen. 

Das The­ma Geld und da­mit letzt­lich „le­ben kön­nen von PP“ ist bei wei­tem nicht so ein­fach, wie der Ar­ti­kel es der ei­nen oder dem an­de­ren ver­mit­teln könn­te. Es ist noch viel Öf­fent­lich­keits– und kol­le­gia­le Klä­rungs­ar­beit von al­len Ak­teu­ren ge­fragt, bis PP den Rang nicht ei­ner al­ter­na­ti­ven The­ra­pie, son­dern ei­ner Al­ter­na­ti­ve zur The­ra­pie (Tho­mas Po­led­nit­schek) er­langt hat und so­viel Ak­zep­tanz und In­ter­es­se er­fährt, dass mit der Er­öff­nung ei­ner Pra­xis ein gu­tes Le­ben ge­führt wer­den kann und die­ser Sach­ver­halt kei­ne Aus­nah­me mehr dar­stellt. Zu­min­dest was die ma­te­ri­el­le, al­so mo­ne­tä­re, Sei­te der Le­bens­füh­rung an­geht. Sich der­zeit auf PP ein­zu­las­sen be­deu­tet, Pio­nier­ar­beit zu leis­ten. Mit al­len Ri­si­ken, die da­mit ver­bun­den sind. Das soll­te stets be­dacht und ein­kal­ku­liert wer­den, ent­schei­det man sich für den Be­ruf einer/s phi­lo­so­phisch Prak­ti­zie­ren­den, prak­ti­zie­ren­den Philosophen/in, Phi­lo­so­phi­schen Praktikers/in und geht nicht nur ei­ner Be­ru­fung nach. Aus mei­ner Sicht emp­fiehlt es sich der­zeit, für das nö­ti­ge Aus­kom­men ge­sorgt zu ha­ben (z.B. in Form ei­nes Teilzeit-Nebenberufes). 

Auf der ideel­len Sei­te übe ich mich mit phi­lo­so­phi­scher Pra­xis dar­in, mein Le­ben gut zu füh­ren, denn wie nicht nur Ar­nold Geh­len, sei­nes Zei­chens ein Ver­tre­ter der Phi­lo­so­phi­schen An­thro­po­lo­gie, an­führ­te, ha­ben Tie­re ein Le­ben, Men­schen aber ei­nes zu füh­ren. Die re­flek­tier­ten Er­fah­run­gen, al­so die Ein‑, An- und Um­sich­ten, die ich in die­ser mei­ner so phi­lo­so­phi­schen Ar­beit ge­ne­rie­re, ge­be ich an mei­ne Kun­den – die für mich stets Kun­di­ge in ei­ge­ner Sa­che sind – wei­ter und stel­le sie in mei­ner Phi­lo­so­phi­schen Pra­xis als Re­fe­renz für das ei­ge­ne Den­ken zur Ver­fü­gung. Und zwar live: Von An­ge­sicht zu Angesicht.

Die Grund­la­ge mei­ner Be­ra­tun­gen – Be­ra­tung meint hier nicht Rat ge­ben, son­dern die ge­mein­sa­me Be­ra­tung ei­nes Sach­ver­hal­tes – in phi­lo­so­phi­scher Pra­xis, al­so in ei­ner phi­lo­so­phi­schen Art & Wei­se, bil­den die ei­ge­nen Le­bens­er­fah­run­gen, die Lek­tü­re phi­lo­so­phi­scher Tex­te jed­we­der Cou­leur so­wie ein un­be­ding­ter Wil­le, größt­mög­li­che Klar­heit in Sach­ver­hal­te zu brin­gen. Ein durch­aus schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen, an das sich nicht nur ein Lud­wig Witt­gen­stein her­an­ge­wagt hat. Als Denker/in steht man im­mer auf den Schul­tern grö­ße­rer Köp­fe. (Zu­wei­len auch viel grö­ße­rer. Zwer­gen­haf­tig­keit darf eine/n Intellektuelle/n nicht abschrecken.)

Was mei­ne Kund­schaft mit die­ser Klar­heit dann macht, ob sie sie the­ra­peu­tisch nutzt, nutzt, um Zie­le zu er­rei­chen oder sich da­mit trös­tet, ob­liegt nicht mehr mei­ner Ver­ant­wor­tung. So ist ei­ne Er­war­tung, in mei­ne Pra­xis zur Beratung
zu kom­men und mit ei­ner Ant­wort nach Hau­se zu ge­hen, die unpassende.

Die Fra­ge soll­te kla­rer ge­wor­den sein. Dann ha­be ich mei­ne Kun­dig­keit mei­nem Kun­den wei­ter­ge­ge­ben. Und da­für, und vor al­len Din­gen für die Zeit, die ich ge­ge­ben ha­be, wer­de ich honoriert.

Konserve Innovation oder doch innovative Konserve?

Ein Gedanke zur Differenz, nicht nur der des politischen rechts und links.

Kon­ser­va­ti­vi­tät (nicht nur po­li­tisch „rech­te“) ist ein er­for­der­li­cher Part zu ei­ner In­no­va­ti­vi­tät (nicht nur po­li­tisch „lin­ke“), so der Grund­ge­dan­ke: Das Rad, das sich zu schnell dreht, reißt aus­ein­an­der, je­nes, das sich zu lang­sam dreht, kann sich in sei­nem Lauf nicht sta­bi­li­sie­ren; die­ses, das sich in glei­cher Ge­schwin­dig­keit dreht, ist mo­no­ton, und ei­nes, das sich gar nicht be­wegt, ist monolithisch.

Um das Gleich­ge­wicht beim Fahr­rad fah­ren zu er­lan­gen braucht es ei­ne ge­wis­se Ge­schwin­dig­keit, doch wird’s zu schnell, ver­liert sich die Kon­trol­le (frei­lich ist die­ses „zu schnell“ re­la­tiv und ei­ne Fra­ge der Tech­nik und des Kön­nens). Ei­nem oder ei­ner über­wie­gend „Lin­ken“ ‑und im hier dar­ge­leg­ten Sinn al­so ei­ner oder ei­nem, der oder die in der Wahl die In­no­va­ti­on der Kon­ser­vie­rung im All­ge­mei­nen vor­zieht- kann fass­bar wer­den, dass die kon­ser­va­ti­ve Hal­tung kein Feind der In­no­va­ti­on ist, son­dern de­ren zu­wei­len not­wen­di­ger und hilf­rei­cher Brems­schuh. Und ei­ner oder ei­nem über­wie­gend „Rech­ten“ ist da­ge­gen klar zu ma­chen, dass das In­no­va­ti­ve (und da­mit noch un­ge­wohn­te) nicht zwangs­läu­fig ei­ne Aus­höh­lung und Ver­wer­fung des Be­stehen­den be­deu­tet, son­dern den Stoff lie­fert, das Be­stehen­de zu über­den­ken. Wie wie­der­um das Alt­her­ge­brach­te den Grund lie­fert, das neu Hin­zu­kom­men­de in Fra­ge zu stel­len. Wich­tig ist im Kern des Ge­dan­kens nur, dass nicht ver­sucht wird, die Kraft, die aus ei­ner Dif­fe­renz wie der von Kon­ser­va­tiv und In­no­va­tiv ins Flie­ßen kommt und letzt­lich im Wel­ten­wan­del wahr­nehm­bar wird, in ei­ner „Mit­te“ – und schon gar nicht in ei­ner au­to­ri­tä­ren, die auf’s Ers­te gar nicht als „Mit­te“ er­kenn­bar ist, zeigt sie sich doch als ein „höchs­tes Zen­trum“ – ein­zu­p­fer­chen, sie „be­herr­schen“ zu wol­len oh­ne sie zum Er­lie­gen zu bringen.

In der Phy­sik mag so et­was an­ge­hen und der Mensch­heit ir­gend­wann viel­leicht ein­mal nie ver­sie­gen­de En­er­gie, Warp-An­trieb und wo­mög­lich gar Welt­frie­den lie­fern. In ei­ner Ge­sell­schaft ist es reins­tes, töd­lichs­tes Gift. Das Mensch­li­che und mit­hin Po­li­ti­sche ist gänz­lich un­phy­si­ka­lisch und un­ma­the­ma­tisch, ja, es ent­zieht sich zu­wei­len so­gar der Lo­gik, mö­gen auch er­rech­ne­te Mo­del­le das Mensch­li­che be­rech­nen und die­ses hin und wie­der, je­doch wohl eher kon­tin­gent, er­klär­bar oder zu­min­dest durch­schau­bar machen.

Was sich zu­sam­men in der „Mit­te“ ver­ei­nigt oder sich – ob al­lein oder nicht – auf die „Spit­ze des Zen­trums“ stellt und so die Dif­fe­renz auf­zu­he­ben ver­sucht, kann sich nicht im Dif­fe­ren­zie­ren üben, son­dern ist zur Ver­wal­tung der Ex­tre­men ver­dammt. Ex­tre­me, die sie durch ei­nen Zu­sam­men­schluss, tech­nisch ver­stan­den viel­leicht ein Kurz­schluss (im po­li­ti­schen All­tag auch ei­ne Ko­ali­ti­on des an­geb­lich Kon­ser­va­ti­ven mit dem an­geb­lich In­no­va­ti­ven), selbst er­zeugt hat und sich so ei­ner de­mo­kra­ti­schen Il­lu­si­on re­al exis­tie­ren­der Op­po­si­ti­on hin­ge­ben kann. Pro­vo­kant und po­le­misch for­mu­liert: Was al­le Dif­fe­ren­zen in Kom­pro­mis­sen oder al­ter­na­tiv­lo­sen Kom­pres­sen auf­he­ben will, ist wohl als ‚lu­pen­rein De­mo­kra­ti­sches‘ zu be­zeich­nen. Oder die Dif­fe­ren­zen gibt es gar nicht. Doch die Auf­he­bung al­ler Dif­fe­renz ob­liegt al­lei­nig dem Tod.

Die Le­ben­den ha­ben sich da­zu zu ver­hal­ten. Und nicht nur das Le­ben fin­det im­mer ei­nen Weg, ei­ne Dif­fe­renz zu ge­ne­rie­ren. Je schwä­cher die Kraft, des­to mäch­ti­ger die En­er­gie zur Ge­ne­rie­rung von Dif­fe­renz, bis hin zur Ge­walt. Denn der Kraft Na­tur ist das Wir­ken, das durch Wan­del die En­er­gie er­zeugt, die die Kraft zum Wir­ken braucht. Und die krea­ti­ve Kraft kann schon von ei­ner klei­nen Dif­fe­renz aus­ge­hen. Nicht nur Ge­bur­ten von Le­be­we­sen sind wohl ein gu­ter Be­leg da­für. Das Le­ben selbst hat sei­nen Grund wo­mög­lich in ei­ner klit­ze­klei­nen, aber un­über­wind­li­chen, un­ver­ein­ba­ren, un­auf­heb­ba­ren Dif­fe­renz – und nicht in ei­nem sich ge­gen­sei­tig auf­he­ben wol­len­den Gegenteil.

Die Mitte

Anmerkung zu Giovanni Di Lorenzos Artikel „Wer reanimiert die Mitte?“ | ZEIT № 9/2018 (Print)

Erst wo ein links und rechts ‑oder, un­po­li­tisch: oben und un­ten, vor­ne und hin­ten, vor­her und nach­her- kann es über­haupt ei­ne Mit­te ge­ben. Fal­len rechts und links in­ein­an­der, ver­schwin­det nicht nur der Deut­schen liebs­tes, wohl nicht nur po­li­ti­sches Kind: Die be­ru­hig­te und be­ru­hi­gen­de Mit­te. Nor­mal, halt.

Das Fun­da­ment der De­mo­kra­tie ist nicht die Mit­te, es ist die Wech­sel­wir­kung von Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on, die ei­ne Mit­te eben über­haupt erst ent­ste­hen lässt.

Die AfD ist kei­ne Op­po­si­ti­on, sie ist ein Sym­ptom ei­ner lä­dier­ten De­mo­kra­tie. Zu­min­dest je­doch ei­nes de­mo­kra­ti­schen Un‑, Miss- oder auch Al­ter­na­tiv­ver­ständ­nis­ses — wie es die Um­fra­ge­wer­te der SPD wohl auch in­di­zie­ren mö­gen. Ram­po­niert, weil CDU&CSU&SPD ‑oder soll­te man sa­gen: die CSPU- in der be­hag­li­chen und be­que­men Mit­te sein und aus ihr her­aus un­be­hel­ligt re­gie­ren will — statt die­se für die Bür­ger­schaft zu er­öff­nen, für die es wohl ein Sehn­suchts­ort ist. So wie jetzt und in den letz­ten Jah­ren wird sie, die Mit­te, durch die Wei­se der Po­li­tik be­setzt. Sie wird in ih­rer ver­mit­teln­den Funk­ti­on im Spiel der Vek­to­ren de­mo­kra­ti­scher Kraft ‑oder, all­ge­mei­ner: der Kraft des Wan­dels, wo­mit und wo­durch sie ih­ren Weg fin­det- blockiert.

Die Mit­te ge­hört der Bür­ger­schaft, nicht der Po­li­tik, und sie ist al­lein durch die Bür­ger­schaft ver­tret­bar: Tä­ti­ge Demokratie.

Al­so schafft sich die Wäh­ler­schaft ‑zu­min­dest ver­sucht sie sich dar­in und sieht da­bei lei­der viel zu kurz- durch die Wahl von Ex­tre­men wie­der ei­ne Mit­te, er­obert sie sich zu­rück. In der sie sich wohl füh­len kann, wäh­rend um die­ses Au­ge der Sturm aus The­se und An­ti­the­se, aus Po­si­ti­on und Op­po­si­ti­on, aus öf­fent­li­cher Dis­kus­si­on, par­la­men­ta­ri­scher De­bat­te, me­dia­lem Dis­kurs über Für und Wi­der fegt und das Land und des­sen Ge­sell­schaft wie auch die ‑nicht nur po­li­ti­sche- Kul­tur mit sich nimmt, sie ent­wi­ckelt und entfaltet.

Die Me­ta­pher des zie­hen­den Sturms zeigt auch: Die Mit­te ist ei­ne Sphä­re, die sich be­wegt und de­ren Kurs sich er­gibt. So die­ser Ne­xus, die­ser Na­bel, die­se Na­be in Ru­he ge­las­sen wird, nicht be­setzt und da­mit zu kon­trol­lie­ren ver­sucht wird. Sie leer und da­mit frei ge­las­sen wird. Sie nicht nach links oder rechts, vor­wärts oder rück­wärts zu be­stim­men ver­sucht wird. Wenn ihr ein­fach Raum ge­ge­ben wird, in dem es sich gut le­ben lässt, wäh­rend der Wel­ten­lauf sei­nen Gang nimmt. Der von ei­nem si­che­ren Ort aus ver­folgt wer­den kann. Über den sich hie und da auf­regt und ge­är­gert wer­den kann. Sich hin und wie­der an ihm er­freut oder er als lä­cher­lich be­fun­den und ab­ge­tan wer­den kann. Über den sich zu­wei­len auch ge­ängs­tigt wird. Und der, sel­ten zwar, so­gar Mut ma­chen kann.

Der aber nie still­steht. Wie man selbst in der Mit­te nie da bleibt, wo man war. Son­dern im­mer mit­ge­nom­men wird vom Rad der Ge­schich­te und Geschichten.