Denkzettel 530

Mit ei­ner Spra­che (Laut­spra­chen, Ma­the­ma­tik, Küns­te, …) wird nicht von ei­nem Ab­bild er­zählt, son­dern et­was dar­ge­stellt. Al­lein des­halb taucht wohl die Fra­ge nach der Wahr­heit (ei­ner dar­ge­stell­ten Wirk­lich­keit) auf.

(Ist „Be­wusst­sein“, so ge­dacht, auch nur ei­ne Spra­che? Und was wir so re­den dann die Dar­stel­lung die­ses Be­wusst­seins, das selbst et­was dar­stellt? Un­ser Spre­chen al­so ei­ne Dar­stel­lung ei­ner Dar­stel­lung?)

(Man be­den­ke zu­dem: Spra­che ist ein Werk­zeug des Di­vi­du­ums, um sich mit­zu­tei­len. Muss ein In­di­vi­du­um zu sich selbst spre­chen kön­nen — kann es nicht auch ganz oh­ne Dar­stel­lun­gen sein? Oder wüss­te die­ses In­di­vi­du­um dann gar nichts von sei­ner Exis­tenz? So be­trach­tet: Spricht ei­ne KI? Kann sie das über­haupt? Stellt sie et­was dar — oder bil­det sie le­dig­lich mensch­li­che Spra­che ab?)

Denkzettel 528

Aus der, im jä­hen Er­le­ben ge­keim­ten, Furcht ei­nes Kin­des, nicht zu sein, nicht sein zu kön­nen, wur­de mit den Le­bens­jah­ren die un­be­kömm­li­che Frucht der Angst, nichts wer­den zu kön­nen, mit­hin: nichts zu sein, ein Nie­mand, al­so ei­gent­lich gar nicht da, oh­ne da­bei an exis­ten­zi­el­ler Bri­sanz zu ver­lie­ren.

Denkzettel 527

Die Fra­ge „Was bin ich wert?“ mal als Aus­druck ma­ni­fes­ter nietz­schea­ni­scher Skla­ven­mo­ral ver­stan­den: Wer auf der da­zu an­de­ren Sei­te der Her­ren­mo­ral steht, hat(te) das Glück, dass ihn/sie die­se Fra­ge nie in den Sinn kam, mehr noch: gar nicht in den Sinn kom­men konn­te. Des­halb wird die­se Fra­ge von ei­ni­gen we­ni­gen nicht ver­stan­den, doch muss lei­der von zu vie­len ge­stellt wer­den.