Eine neue Weltordnung?

Ordnung ist nicht das Gegenteil von Wandel — sie ist seine Form. Wer nach einer neuen Weltordnung ruft, will meist das Fremde bändigen: es in eine Rangfolge bringen, ihm einen Platz zuweisen. Der Text schlägt einen anderen Umgang vor: Heterarchie, ein Denken, das das Fremde nicht fürchtet, sondern als Gast empfängt — und das, anders als Hierarchie oder Anarchie, nicht nach dem Ersten fragt, sondern die Frage selbst aussetzt. Eine Archeologie, kein Schreibfehler.

Lebe lang und erfolgreich!

Wer hundert Jahre alt wird, hat offenbar etwas richtig gemacht. Diese stille Voraussetzung — langes Leben als Leistung — steht im Zentrum dieses Textes. Die Pandemie macht sichtbar, was sonst im Hintergrund bleibt: dass wir den Tod verdrängen, statt mit ihm umzugehen. Denn niemand übersteigt diesen Berg. Was bleibt, ist die Übung — den Blick auf das eigene Sterben so zu wagen, dass er das Leben nicht vergällt, sondern trägt.

Maskierte Pflicht?

Wer eine Maske trägt, ist versucht, sich dahinter zu verstecken. Diese Beobachtung – nicht Kritik an der Maske, sondern an einer bestimmten Art, sie zu tragen – steht im Mittelpunkt: dass Maskenpflicht das Abstandsgebot schwächen könnte, weil sie trügerische Sicherheit verschafft. Abstandnehmende Freundlichkeit, so die Gegenthese, wäre wirksamer als nähegebende.

Ein Haus braucht ein Fundament

Was wir für Vertrauen hielten, war oft nur Sicherheit. Diese Unterscheidung – nicht theoretisch, sondern als persönliche Entdeckung mitten in der Pandemie – trägt diesen Text. Ob Corona wirklich etwas verändert, lässt sich nicht wissen; doch die Ausnahmesituation als Generator zu begreifen, der nicht Altes wiederherstellt, sondern Neues erzeugen kann — das wäre das Fundament, das bleibt. Wenn es denn bleibt.

Konserve Innovation oder doch innovative Konserve?

Konservativ und innovativ sind keine Pole, zwischen denen eine Mitte zu finden wäre. Das Fahrrad-Bild am Textanfang macht es anschaulich: Zu schnell reißt es auseinander, zu langsam verliert es die Stabilität, stehend bewegt es sich nicht. Die eigentliche These aber geht weiter — wer alle Differenz in Kompromissen aufhebt, erzeugt die Extreme, die er dann zu verwalten hat. Differenz ist kein Problem, das gelöst werden müsste. Sie ist die Bedingung des Lebendigen.

Die Mitte

Anmerkung zu Giovanni Di Lorenzos Artikel „Wer reanimiert die Mitte?“ | ZEIT № 9/2018 (Print)

Erst wo ein links und rechts ‑oder, un­po­li­tisch: oben und un­ten, vor­ne und hin­ten, vor­her und nach­her- kann es über­haupt ei­ne Mit­te ge­ben. Fal­len rechts und links in­ein­an­der, ver­schwin­det nicht nur der Deut­schen liebs­tes, … Weiterlesen➜