Denkzettel 81

„Die Ge­dan­ken sind frei.“
Doch je­der Mensch hat doch Ge­dan­ken, ist in Be­sitz der­sel­ben so­wie Ei­gen­tü­mer. Wie kann et­was, das im Be­sitz und Ei­gen­tum ist, frei sein?
Wie kann der Mensch, sich selbst be­sit­zend und ei­gen­tü­mend, frei sein?
Da­bei kann es doch wohl hei­ßen: Die Ei­gen­tüm­lich­keit der Men­schen ge­hört zu ih­rer Frei­heit.

Denkzettel 80

Wenn Mensch et­was er­greift, in­tel­lek­tu­ell ge­fasst: be­greift, macht er es dann zu sei­nem Be­sitz oder zu sei­nem Ei­gen­tum?
Wie steht es bei ei­nem Af­fen, der ei­ne Frucht er­greift?
Was heißt ei­gent­lich: „Ich ha­be Wis­sen.“? („ha­ben“ i.S.v. Be­sitz, Ver­füg­bar­keit.)
Kann Wis­sen denn über­haupt be­ses­sen wer­den wie ein Kühl­schrank? Denn wenn Eine/r weiß, dass 1+1=2 ist, schränkt das ja nie­mand An­de­ren ein, auch ge­nau die­ses Wis­sen ha­ben zu kön­nen.

Denkzettel 59

Phi­lo­so­phie meint viel, doch vor al­len Din­gen soll­te dar­un­ter die Kul­ti­vie­rung des ei­ge­nen Den­kens auf­ge­fasst wer­den. Kul­ti­vie­ren meint: ei­ne Bra­che um­pflü­gen – sä­en, pfle­gen, ern­ten – un­ter­pflü­gen – sä­en, pfle­gen, ern­ten – un­ter­pflü­gen usf. Die Früch­te die­ses Ackers, dem ur­ei­gens­ten Bo­den und al­lei­ni­gen Grund, fin­den sich auf kei­nem an­de­ren Feld, mö­gen sie auch de­nen an­de­rer ‚Bauern‘ äh­neln.
(Wer so phi­lo­so­phiert, ist im­mer auch Ar­chi­tekt des ei­ge­nen Den­kens.)