Denkzettel 68

Da wird in letz­ter Zeit viel von „neu­er Nor­ma­li­tät“ ge­re­det und man­chen mag der dräu­en­de Ver­lust ei­ner „al­ten Nor­ma­li­tät“ wie ei­ne Be­schnei­dung der Un­end­lich­keit der Mög­lich­kei­ten vor­kom­men.

Ei­ne „neue Nor­ma­li­tät“ än­dert über­haupt nichts an der Un­end­lich­keit der Mög­lich­kei­ten, eben … Weiterlesen➜

Staatsmacht?

Ob eine Vorschrift sinnvoll angewendet wird, ist keine juristische Frage. Eine Begebenheit auf dem Landauer Wochenmarkt im Sommer 2020 — Ordnungsamt, Schutzwesten, Mund-Nasen-Bedeckung als Doppelkinnhalter — gibt Anlass zur Frage, wo Vollzug endet und Entmündigung beginnt. Nicht als Corona-Kritik, sondern als Erinnerung: Der autoritäre Charakter tritt nicht als Ausnahmezustand auf, sondern schleicht sich ein. Und kleinen Anfängen widerspricht man besser einmal zu oft.

Schauen trauen

Angst hat viele Gesichter — auch das der Verschwörungstheorie. Der Text beobachtet, wie Misstrauen und Aluhut-Mentalität keine Charakterschwäche sind, sondern Ausdrucksformen von Angst, die kein anderes Gesicht gefunden hat. Wer das versteht, kann darüber reden — und das, so die These, wäre mutiger als jede Verurteilung. Ein Plädoyer für bürgerliche Mündigkeit: nicht ohne Pflicht, sondern aus dem Willen zur Vernunft und der Lust auf Freiheit mit Verantwortung.

Eine neue Weltordnung?

Ordnung ist nicht das Gegenteil von Wandel — sie ist seine Form. Wer nach einer neuen Weltordnung ruft, will meist das Fremde bändigen: es in eine Rangfolge bringen, ihm einen Platz zuweisen. Der Text schlägt einen anderen Umgang vor: Heterarchie, ein Denken, das das Fremde nicht fürchtet, sondern als Gast empfängt — und das, anders als Hierarchie oder Anarchie, nicht nach dem Ersten fragt, sondern die Frage selbst aussetzt. Eine Archeologie, kein Schreibfehler.

Lebe lang und erfolgreich!

Wer hundert Jahre alt wird, hat offenbar etwas richtig gemacht. Diese stille Voraussetzung — langes Leben als Leistung — steht im Zentrum dieses Textes. Die Pandemie macht sichtbar, was sonst im Hintergrund bleibt: dass wir den Tod verdrängen, statt mit ihm umzugehen. Denn niemand übersteigt diesen Berg. Was bleibt, ist die Übung — den Blick auf das eigene Sterben so zu wagen, dass er das Leben nicht vergällt, sondern trägt.

Maskierte Pflicht?

Wer eine Maske trägt, ist versucht, sich dahinter zu verstecken. Diese Beobachtung – nicht Kritik an der Maske, sondern an einer bestimmten Art, sie zu tragen – steht im Mittelpunkt: dass Maskenpflicht das Abstandsgebot schwächen könnte, weil sie trügerische Sicherheit verschafft. Abstandnehmende Freundlichkeit, so die Gegenthese, wäre wirksamer als nähegebende.

Ein Haus braucht ein Fundament

Was wir für Vertrauen hielten, war oft nur Sicherheit. Diese Unterscheidung – nicht theoretisch, sondern als persönliche Entdeckung mitten in der Pandemie – trägt diesen Text. Ob Corona wirklich etwas verändert, lässt sich nicht wissen; doch die Ausnahmesituation als Generator zu begreifen, der nicht Altes wiederherstellt, sondern Neues erzeugen kann — das wäre das Fundament, das bleibt. Wenn es denn bleibt.