Autorität und Autoritarismus: Über die Neigung zum Kippen

Wie eine orientierende Kraft beweglich bleibt — und wo die Erstarrung lauert. Über Meinung, Wunsch und Solidarität.

Ori­en­tie­rung kippt — wenn aus Be­weg­lich­keit Er­star­rung wird. Die­ser Es­say ver­folgt die Spur des Kip­pens durch drei Fel­der: im Spre­chen, wo die Mei­nung zur Über-Zeu­gung er­starrt; im Wün­schen, wo mo­ti­vie­ren­des Mo­men­tum in Tan­ha um­schlägt; in der So­li­da­ri­tät, die zur Pflicht wird, so­bald sie ver­gisst, dass auch sie kip­pen kann. Mit Fromm, Are­ndt und Ror­ty wird ei­ne Hal­tung skiz­ziert, die das Kip­pen nicht be­sei­tigt — aber un­wahr­schein­li­cher macht.

Narziss und Echo: Zur Dialektik von Autorität und Ironie

Eine Betrachtung von Charaktertypologien zwischen Selbstverliebtheit und Selbstauslöschung.

Zwi­schen Selbst­ver­liebt­heit und Selbst­aus­lö­schung lie­gen die Ex­tre­me des Ich. Der My­thos von Nar­ziss und Echo ar­ti­ku­liert die­se Asym­me­trie: mo­no­lo­gi­sche Selbst­be­spie­ge­lung ge­gen re­ak­ti­ve Wie­der­ho­lung. Die­ser Es­say über­trägt die my­tho­lo­gi­sche Kon­stel­la­ti­on auf po­li­ti­sche Phi­lo­so­phie – Ador­nos au­to­ri­tä­ren Cha­rak­ter und Ror­tys li­be­ra­le Iro­ni­ke­rin. Wäh­rend der Au­to­ri­tä­re sei­ne Schwä­che durch Iden­ti­fi­ka­ti­on mit Macht kom­pen­siert, kul­ti­viert die Iro­ni­ke­rin Kon­tin­genz oh­ne Hand­lungs­un­fä­hig­keit. Ei­ne Un­ter­su­chung de­mo­kra­ti­scher Sub­jek­ti­vi­tät jen­seits der pa­tho­lo­gi­schen Po­le.

Die Wahrheit leben: Mark Carneys Davos-Rede als pragmatische Ironie

Wenn der Premierminister Kanadas zum Ironiker wird

Mark Car­ney als prag­ma­ti­scher Iro­ni­ker im Geis­te Ror­tys. Als Car­ney am 20. Ja­nu­ar 2026 in Da­vos Ha­vels Ge­mü­se­händ­ler be­schwor, der täg­lich ein Schild ins Schau­fens­ter stellt, an das er nicht glaubt, lie­fer­te er mehr als po­li­ti­schen Rea­lis­mus: Er be­schrieb ei­ne Hal­tung, die Ri­chard Ror­tys Phi­lo­so­phie des Prag­ma­tis­mus na­he­steht — Kon­tin­genz an­er­ken­nen, oh­ne in Zy­nis­mus zu ver­fal­len. Die re­gel­ba­sier­te in­ter­na­tio­na­le Ord­nung war ei­ne nütz­li­che Fik­ti­on; wer das aus­spricht und den­noch an Wer­ten fest­hält, hat das Schild aus dem Fens­ter ge­nom­men.