Die Verlegenheit vor dem Positiven

Dankbarkeit und Demut: Gefühle mit getrübter Unschuld?

Gu­te Ge­füh­le kön­nen ei­nen in die Fal­le füh­ren. Dank­bar­keit und De­mut gel­ten als Tu­gen­den der Be­schei­den­heit; doch hin­ter ih­rer all­täg­li­chen Form ver­birgt sich ei­ne Struk­tur, die ge­nau­er hin­se­hen lässt: Sie set­zen ei­ne Hier­ar­chie vor­aus, die sie selbst er­rich­ten. Der Es­say fragt, wel­ches Grund­ge­fühl bei­den zu­grun­de liegt — und wie man mit der Ver­le­gen­heit um­geht, die ent­steht, wenn man es oh­ne Adres­sa­ten ste­hen lässt.

Narziss und die andere Selbstliebe

Warum die Antike das Gelingen nicht erzählt, sondern gedacht hat.

Nar­ziss stirbt am Spie­gel. Die an­de­re Selbst­lie­be hat kein sol­ches En­de. Der My­thos lebt vom Schei­tern — und ge­nau dar­in liegt sei­ne Kraft: Was aus dem Gleich­ge­wicht ge­rät, be­kommt ei­ne Ge­schich­te. Was ge­lingt, be­kommt Be­grif­fe. Die­sem Ge­fäl­le zwi­schen Er­zäh­len und Den­ken geht der Es­say nach und fragt, was es be­deu­tet, dass das Ge­lin­gen so still bleibt.

Autorität und Autoritarismus: Über die Neigung zum Kippen

Wie eine orientierende Kraft beweglich bleibt — und wo die Erstarrung lauert. Über Meinung, Wunsch und Solidarität.

Ori­en­tie­rung kippt — wenn aus Be­weg­lich­keit Er­star­rung wird. Die­ser Es­say ver­folgt die Spur des Kip­pens durch drei Fel­der: im Spre­chen, wo die Mei­nung zur Über-Zeu­gung er­starrt; im Wün­schen, wo mo­ti­vie­ren­des Mo­men­tum in Tan­ha um­schlägt; in der So­li­da­ri­tät, die zur Pflicht wird, so­bald sie ver­gisst, dass auch sie kip­pen kann. Mit Fromm, Are­ndt und Ror­ty wird ei­ne Hal­tung skiz­ziert, die das Kip­pen nicht be­sei­tigt — aber un­wahr­schein­li­cher macht.