Freundschaft

Gar nicht soweit entfernt vom letzten Thema im Rahmen Philosophischer Zirkus, ‚Heimat‘, wollen wir uns in der ersten Veranstaltung nach der Sommerpause einem Thema zuwenden, das für uns Menschen, oder Tiere als Menschen, wohl essentiell ist: Freundschaft.

Im „guten alten Griechenland“ umspannte das Wort ‚philia‘ wohl einen weiten Bedeutungshorizont. Wie sieht es heute damit aus? Was ist daraus geworden oder: was machen wir heute daraus? Hat es noch den gleichen Stellenwert wie einst oder führen Technologien wie Facebook, Twitter u.ä. dazu, dass sich der Wert von Freundschaft verändert oder zumindest ihre Form — und damit vielleicht auch ihre Wirkung oder unsere Erwartungen an sie?

Dergestalt können wir Licht auf’s Thema werfen. Doch das ist bestimmt nur eine Perspektive. Mit dem Gast, Univ. Prof. Dr. phil. Ralf Becker, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, wollen wir in kundiger Begleitung das Thema erhellen und in ‚Augenschein‘ nehmen, was Freundschaft heute bedeuten kann — oder soll(te)?

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Die textliche Repräsentation des Abends:

Dieser vielleicht verwirrende Satz — Sokrates zugeschrieben, aber auch Aristoteles — mag unter bestimmten Bedingungen zutreffen, doch bei der gestrigen Veranstaltung war davon nichts zu spüren. Der Gast des Abends, Ralf Becker, seines Zeichens Doktor der Philosophie und als Professor an der hiesigen Universität in Landau tätig, verschaffte den Besuchern einen profunden Einblick nicht nur in das Verständnis von Freundschaft — dem Thema des Abends — in der Antike, sondern leuchtete auch die moderne Sinngebung von Freundschaft zumindest an — zwei Stunden reichen kaum, um das Thema größtumfänglich auszuleuchten. So haben wir gehört, dass wir Freundschaft zu Zeiten eines Aristoteles nur schwerlich mit der Bedeutung zu unseren Zeiten vergleichen können. Galt doch z.B. in Augen Aristoteles' eine ('wahre') Freundschaft zwischen Frauen und Männern als eine Unmöglichkeit, weil die 'Tugendprofile' nicht zueinander passten. So hatten die Frauen im oikos, in Haus und Hof, das Sagen (nicht als 'Heimchen am Herd', sondern in einer Funktion als CEO, wie man wohl in bestem Business-Deutsch heutzutage sagen würde), während der männliche Teil mit der polis mit den Angelegenheiten eben der Stadt, in der sie lebten, zu tun hatten (also mit dem betraut waren, was heutzutage Stadträte machen oder machen sollten). So war es für Aristoteles ein Unding, das Männer und Frauen eine tugendhafte Freundschaft hätten führen können. Heutzutage sieht das freilich ganz anders aus, Frauen und Männer sind beiderseits in die Geschäfte von Haus und Hof und politischen Angelegenheiten involviert und engagiert. Doch eine Trennung — der Exkurs sei erlaubt — von Haus und Hof im Sinne von Unternehmen oder Konzernen und politischen Angelegenheiten wäre heutzutage manchmal doch wünschenswert. Eine Trennung, die sich allerdings eben nicht auf das biologische oder soziale Geschlecht bezieht, sondern darin finden ist, das Kommunen keine Unternehmen und Unternehmen keine Kommunen sind. Und Kommunen können Arbeitgeber sein, ohne von der Idee eines ökonomischen Hauses getrieben zu werden. ... Weiterlesen

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