Leben

Wenn wir von Leben reden, reden wir gerne von Biologie. Dieses Wort leitet sich aus dem griechischen βίος (bios) ab – was allerdings nicht das physische, organische Leben meinte (ζόηzoe), also das, was wir heute unter Biologie verstehen, sondern das „gute Leben“, eher also das biografische, das geführte Leben. Was sich auch durch βιος (bios, also ohne betontes „i“) zum Ausdruck bringt, mit dem umgangssprachlich „persönlicher Reichtum und Besitz“ benannt wurde. Und nicht unerwähnt bleiben darf die dritte Variante, βιός (bios), das Wort für „Bogen“ oder auch „Bogensehne“, also einer gängigen Waffe bzw. dessen, womit diese gespannt wird. Womit sich die Metapher der „Lebensspanne“ in erstaunlicher Weise zeigt und man mal wieder feststellen kann, wie spannend es ist, sich mit dem Griechischen zu befassen, hin und wieder zumindest. Martin Heidegger soll gemeint haben, dass das Griechische wie das Deutsche Sprachen seien, mit denen überhaupt erst philosophiert werden kann. Nun, auch die Aborigines werden sich Gedanken ums Leben gemacht haben und dies in Worte samt Metaphern (oder gar: Träume) gepackt haben. Der Mensch ist nun mal ein symbolisches Wesen („animal symbolicum“, Ernst Cassirer) und Sprache nurmehr der Ausdruck dieses Umstandes.

Im Umfeld des „guten Lebens“ also will der Abend sich gestalten. Mit dem Gast, Dr. phil. Annika Hand, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, können wir einen Blick auf das Leben im Sinne menschlicher Lebendigkeit werfen – die Facetten der Lebensführung, wobei Fragen der Moral, also des „guten Lebens“, dann unter anderen natürlich eine Rolle spielen.

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Die textliche Repräsentation des Abends:

Ein lebendiger Abend war's, bei dem man versucht hat über das Leben zu reden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie so oft bei den „Selbstverständlichkeiten“ dieser Welt. Zu Gast war Dr. Annika Hand, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. In einer anregenden Diskussion hat der illustre Kreis das weite Feld des Lebens beschritten. Überschrieben war der Abend dann doch mit einem Teilaspekt des Lebens, dem „guten“ oder auch „schönen“ Leben. Hier kam schon fast unweigerlich die Sprache auf die Lebenskunst oder, wie Gerd Achenbach es in ein Wort fasst, die „Lebenskönnerschaft“. Die Frage tauchte auf, inwieweit Lebenskunst vermittelt werden kann? Eine Perspektive war, dass es sich hierbei um etwas handle, dass wir Menschen selbst zu entwickeln haben, also nichts ist, das man lehren könnte wie man bspw. lehren kann, ein Auto zu reparieren. Und genau diese Gestaltungsmöglichkeit der eigenen Lebensführung hat sich dann als ein zentraler Punkt in Sachen „Lebenskunst“ herausgeschält. Dabei tauchte auch die Frage auf, inwieweit es dafür Führer_innen bedarf oder, in Abgrenzung dazu: Vorbildern. Der Unterschied, so brachte die Diskussion hervor, liegt darin, das Führerschaft bedeutet, Regeln des guten Lebens vorzugeben, die dann befolgt werden oder denen gefolgt wird. Die zehn Gebote des Christentums könnten hier angeführt werden. In Differenz dazu das Vorbild: Es zeigt lediglich etwas auf, dessen wir gewahr werden können und uns selbst den Auftrag geben können, aus dem Vor-bild ein eigenes Bild, vielleicht sogar ein Ur-bild, hervorzubringen. „Authentizität“ war eine Begrifflichkeit, der in diesem Zusammenhang ein hoher Stellenwert zugewiesen wurde. ... Weiterlesen

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