„Liberal“ nicht als „frei vom Staat“ (die neoliberale Position), sondern als „frei im Staat“ verstehen. Alte Melodeien von rechten und linken Liberalen zum Thema „Freiheit“. Die Mitte? Hört (nur?) zu.
Allerdings propagieren z. B. konservative Parteien wie eine CDU/CSU kein „frei vom Staat“. … Weiterlesen➜
Kategorie: Politik
Autorität und Autoritarismus: Über die Neigung zum Kippen
Orientierung kippt — wenn aus Beweglichkeit Erstarrung wird. Dieser Essay verfolgt die Spur des Kippens durch drei Felder: im Sprechen, wo die Meinung zur Über-Zeugung erstarrt; im Wünschen, wo motivierendes Momentum in Tanha umschlägt; in der Solidarität, die zur Pflicht wird, sobald sie vergisst, dass auch sie kippen kann. Mit Fromm, Arendt und Rorty wird eine Haltung skizziert, die das Kippen nicht beseitigt — aber unwahrscheinlicher macht.
Narziss und Echo: Zur Dialektik von Autorität und Ironie
Zwischen Selbstverliebtheit und Selbstauslöschung liegen die Extreme des Ich. Der Mythos von Narziss und Echo artikuliert diese Asymmetrie: monologische Selbstbespiegelung gegen reaktive Wiederholung. Dieser Essay überträgt die mythologische Konstellation auf politische Philosophie – Adornos autoritären Charakter und Rortys liberale Ironikerin. Während der Autoritäre seine Schwäche durch Identifikation mit Macht kompensiert, kultiviert die Ironikerin Kontingenz ohne Handlungsunfähigkeit. Eine Untersuchung demokratischer Subjektivität jenseits der pathologischen Pole.
Die Wahrheit leben: Mark Carneys Davos-Rede als pragmatische Ironie
Mark Carney als pragmatischer Ironiker im Geiste Rortys. Als Carney am 20. Januar 2026 in Davos Havels Gemüsehändler beschwor, der täglich ein Schild ins Schaufenster stellt, an das er nicht glaubt, lieferte er mehr als politischen Realismus: Er beschrieb eine Haltung, die Richard Rortys Philosophie des Pragmatismus nahesteht — Kontingenz anerkennen, ohne in Zynismus zu verfallen. Die regelbasierte internationale Ordnung war eine nützliche Fiktion; wer das ausspricht und dennoch an Werten festhält, hat das Schild aus dem Fenster genommen.
Ich hatte einen Traum gehabt …
Die AfD halbieren — nicht durch bessere Politik, sondern durch bewusste Stimmenenthaltung. Was nach einem Traum beginnt, ist eine nüchterne Wahlrechnung: Wer statt AfD einen ungültigen Stimmzettel abgibt, zählt als abgegebene Stimme — und wäre sichtbar. Die Pointe sitzt am Ende: Es braucht keine Revolution. Es braucht genug Wählerinnen und Wähler, die an der Urne ihre Stimme erheben, ohne sie einer Partei zu geben.
„Menschenbild“
Sprache ist Leimrute — wer fremde Vokabeln übernimmt, klebt daran fest. Der Brief an Friedrich Merz ist knapp: Wer „Stadtbild" sagt, sagt AfD, egal mit welcher Absicht. Der Rat lautet nicht Schweigen, sondern Umbenennen — eine eigene Sprache finden, statt in gesetzten Narrativen zu operieren.
Denkzettel 510
Kinder an die Macht? Besser nicht — man kann derzeit in den USA sehr genau studieren, wohin das führen kann.
(Manche glauben ja wohl, da sei ein „Kind Gottes“ an der Macht.)
29. Januar 2025, Deutscher Bundestag
Am Morgen Gedenken an Auschwitz, am Nachmittag Mehrheit mit der AfD. Der 29. Januar 2025 im Bundestag ist der Anlass — die persönliche Empörung darüber der eigentliche Text. Kein analytischer Abstand, keine Relativierung: Wer Tabus bricht, um Stimmen zu gewinnen, versachlicht Menschen. Und Versachlichung von Menschen hat einen Namen in der deutschen Geschichte.
Denkzettel 279
Der Monotheismus war keine gute Erfindung: Er ist das schleichende Gift einer pluralen Förderalität.
(Die Idee der fremd ordinierten, autokratischen Einheitlichkeit (d.i.: Einfalt) wendet sich gegen das Faktum der sich selbst koordinierenden, autopoietischen Vielfalt.)
Denkzettel 125
Wir reden nicht nur vom Klima. Wir machen es auch.



