
… sind sprachlich gefasste Spiegelbilder autoraler Wirklichkeiten, freilich unvermeidlich verzerrt. Sie kommen als Ansichten daher, was keine Wahrheiten im logischen Sinn sein können. Sie sind die Beschreibung von Anschauungen. Wie Ansichtskarten keine Wahrheiten verkünden, sondern einen Blickwinkel auf etwas zeigen.
Und sie kommen als Betrachtungen daher, wobei mehr oder weniger detaillierte, eher nicht-ratioïde, so betrachtet: vernünftig intuitive, Versuche der Beschreibung von Gesehenem aus einer subjektiven Position, von denen her eine Sache, Angelegenheit, ein Ding, ein Sachverhalt, gehoben verallgemeinert: eine Entität, in den Blick genommen, geschaut wird. Es sind Darlegungen von Perspektiven, Artefakte aus einem Ex-Peri-Mental-Labor (hier gr.-lat. gemeint: aus dem umfassenden Geistigen heraus arbeitend.). Meditationen, auch, frei fließend, Einsichten ver-suchend.
Und freilich kann es passieren, dass sich Ansicht und Betrachtung mischen, ein Amalgam bilden, auch das letztlich: unvermeidlich. Oder indes auch: gewollt. Und es kann und darf auch passieren, das die Kategorien Ansicht oder Betrachtung gar nicht passen wollen.
Doch eben letztlich stets: Ein umfassenderer, unter Umständen vielfältiger geistiger Reflex auf etwas Anstoßendes. Mit Sokrates in Worte gefasst: Auf einen Stich. Wo sich die Denkzettel meist darin üben, einen Stich zu setzen, üben sich die Perspektiven vorwiegend darin, mit einem Stich umzugehen. Was indes nun freilich eben wieder nicht ausschließt, dass eine Perspektive zurückstechen kann.
Die Verlegenheit vor dem Positiven
Dankbarkeit und Demut: Gefühle mit getrübter Unschuld?
Gute Gefühle können einen in die Falle führen. Dankbarkeit und Demut gelten als Tugenden der Bescheidenheit; doch hinter ihrer alltäglichen Form verbirgt sich eine Struktur, die genauer hinsehen lässt: Sie setzen eine Hierarchie voraus, die sie selbst errichten. Der Essay fragt, welches Grundgefühl beiden zugrunde liegt — und wie man mit der Verlegenheit umgeht, die entsteht, wenn man es ohne Adressaten stehen lässt.Narziss und die andere Selbstliebe
Warum die Antike das Gelingen nicht erzählt, sondern gedacht hat.
Narziss stirbt am Spiegel. Die andere Selbstliebe hat kein solches Ende. Der Mythos lebt vom Scheitern — und genau darin liegt seine Kraft: Was aus dem Gleichgewicht gerät, bekommt eine Geschichte. Was gelingt, bekommt Begriffe. Diesem Gefälle zwischen Erzählen und Denken geht der Essay nach und fragt, was es bedeutet, dass das Gelingen so still bleibt.Autorität und Autoritarismus: Über die Neigung zum Kippen
Wie eine orientierende Kraft beweglich bleibt — und wo die Erstarrung lauert. Über Meinung, Wunsch und Solidarität.
Orientierung kippt — wenn aus Beweglichkeit Erstarrung wird. Dieser Essay verfolgt die Spur des Kippens durch drei Felder: im Sprechen, wo die Meinung zur Über-Zeugung erstarrt; im Wünschen, wo motivierendes Momentum in Tanha umschlägt; in der Solidarität, die zur Pflicht wird, sobald sie vergisst, dass auch sie kippen kann. Mit Fromm, Arendt und Rorty wird eine Haltung skizziert, die das Kippen nicht beseitigt — aber unwahrscheinlicher macht.Narziss und Echo: Zur Dialektik von Autorität und Ironie
Eine Betrachtung von Charaktertypologien zwischen Selbstverliebtheit und Selbstauslöschung.
Zwischen Selbstverliebtheit und Selbstauslöschung liegen die Extreme des Ich. Der Mythos von Narziss und Echo artikuliert diese Asymmetrie: monologische Selbstbespiegelung gegen reaktive Wiederholung. Dieser Essay überträgt die mythologische Konstellation auf politische Philosophie – Adornos autoritären Charakter und Rortys liberale Ironikerin. Während der Autoritäre seine Schwäche durch Identifikation mit Macht kompensiert, kultiviert die Ironikerin Kontingenz ohne Handlungsunfähigkeit. Eine Untersuchung demokratischer Subjektivität jenseits der pathologischen Pole.Die Wahrheit leben: Mark Carneys Davos-Rede als pragmatische Ironie









