Denkzettel 565

Wohl an­zu­den­ken wä­re, phi­lo­so­phi­sche Tex­te als Li­te­ra­tur im Gen­re „Phi­lo­so­phie“ auf­zu­fas­sen und nicht als Er­geb­nis­se ei­ner Wis­sen­schaft. Denn von wel­cher Art soll das Wis­sen sein, das Phi­lo­so­phie (ver)schafft? Zu­mal im Fach Phi­lo­so­phie wohl im­mer noch dar­um ge­run­gen wird, viel­leicht so­gar seit mehr als 2000 Jah­ren, was denn nun un­ter „Wahr­heit“ ei­gent­lich all­ge­mein ver­stan­den wer­den soll1⇣Zu Wahr­heits­theo­rien sie­he z. B. philomag.de/lexikon/wahrheit. (Von „Weis­heit“ ganz zu schwei­gen.)

Re­fe­ren­ces
1 Zu Wahr­heits­theo­rien sie­he z. B. philomag.de/lexikon/wahrheit

Denkzettel 484

Phi­lo­so­phie kann als Wis­sen­schaft ver­stan­den und all so be­trie­ben wer­den, doch dar­in er­schöpft sich das Ver­ständ­nis kei­nes­wegs. Phi­lo­so­phie re­flek­tiert die Ge­gen­wart, wie es Kunst auch tut. Doch im Ge­gen­satz zur Kunst schafft sie nichts, sie re­flek­tiert und ver­än­dert zu­wei­len das Be­wusst­sein der Schaf­fen­den. So ist sie kei­ne Wis­sen­schaft — weil sie et­was schaf­fen kann, das kein „Wis­sen von“ ist. Es soll­te Weis­heit sein: Ein „Wis­sen um“ je­nes, das man tut.

Oder: Phi­lo­so­phie als Mü­he­wal­tung zum Wis­sen, was man tut.

Denkzettel 225

Wis­sen­schaft­ler und Lei­den­schaft­ler. Die Ers­te­ren (ver)schaffen Wis­sen, die Letz­te­ren Lei­den. Ers­te­re füh­len sich der Ra­tio­na­li­tät ver­pflich­tet, letz­te­re sind dem Äs­the­ti­schem freund­lich ge­sinnt.

(„Lei­den“ wie in: „Dich kann ich (nicht) gut lei­den.“)
(Und ja: Es gibt lei­den­schaft­li­che Wis­sen­schaft­ler, im Gu­ten wie im Bö­sen, wie es in bei­dem wis­sent­li­che Lei­den­schaft­ler gibt.)

Denkzettel 217

Wes­sen hal­ber doch ei­ni­ge der jun­gen Men­schen wohl so auf die Wis­sen­schaft – i. S. ob­jek­ti­ver Em­pi­rie – bau­en für ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on für Die­ses, wi­der Je­nes? Nun, viel­leicht ja des­sen hal­ber, als sie die Dra­ma­tik der bren­nen­den Hüt­te mö­gen (Krie­ge und an­de­res Un­bill ha­ben sie ja i. A. we­der di­rekt noch in­di­rekt als un­mit­tel­ba­re Nach­fol­ge­ge­nera­ti­on er­lebt, hun­gern in­des nach Grenz­erfah­rung, die den Men­schen ja (er)wachsen lässt) und sie zu­gleich die per­sön­li­che Em­pi­rie ei­nes Feu­er­wehr­haupt­men­schen noch nicht in ih­re un­mit­tel­ba­re Er­fah­rungs­welt ein­bau­en konn­ten.
(Was nicht heißt, Feu­er­wehr­ober­en­de könn­ten nicht ir­ren.)

Denkzettel 216

Die Fra­ge darf, kann und will ge­stellt sein, in­wie­weit uns ein Pri­mat der Ra­tio­na­li­tät (sel­bi­ge ver­kör­pert z. B. durch die Wis­sen­schaft) nicht letzt­lich von un­se­rem Ha­bi­tat ent­frem­det. Ge­lingt dem Men­schen die Re­gu­la­ti­on des Kli­ma­wan­dels auf Ba­sis wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­dik, wird er mit der Hy­bris der All­re­gel­ge­walt in sein Ver­der­ben ren­nen. (Das frei­lich rein hy­po­the­tisch.)