Denkzettel 154

„Le­ben heißt Lei­den“, heißt es, doch nie­mand sag­te, am Lei­den wä­re auch zu leiden.

(Über­win­dung des Leids heißt nicht, es zu ver­drän­gen, zu ver­ste­cken oder sich in Gleich­gül­tig­keit zu üben oder es gar aus der Welt schaf­fen zu wol­len. Es heißt, das Leid er­trag­bar zu ma­chen. Denn dann ver­schwin­det es, oh­ne dass es, mit wel­chen Tricks auch im­mer, ver­nich­tet wer­den müss­te. Und frei­lich hat auch ei­ne sol­che Hal­tung, wie so vie­les, sei­ne in­di­vi­du­el­len Ge­stal­tun­gen und Grenzziehungen.)

Denkzettel 127

Wür­de ei­nem Men­schen im Le­ben nichts feh­len, kein Man­gel an ir­gend­et­was be­stehen: die­sem Men­schen wür­de im Le­ben et­was feh­len — es wä­re mangelhaft.

Voll­kom­men­heit, das ist: kein Wer­den mehr, gibt’s erst mit dem En­de des Lebens.

(Zu­wei­len hat ein Mensch das gro­ße Glück, aus sei­nen Män­geln den­je­ni­gen, den er als nächs­tes zu stil­len ge­denkt, selbst wäh­len zu kön­nen. Weil er ihn (an)erkennen kann.)