Denkzettel 154

„Le­ben heißt Lei­den“, heißt es, doch nie­mand sag­te, am Lei­den wä­re auch zu lei­den.

(Über­win­dung des Leids heißt nicht, es zu ver­drän­gen, zu ver­ste­cken oder sich in Gleich­gül­tig­keit zu üben oder es gar aus der Welt schaf­fen zu wol­len. Es heißt, das Leid er­trag­bar zu ma­chen. Denn dann ver­schwin­det es, oh­ne dass … Weiterlesen➜

Denkzettel 127

Wür­de ei­nem Men­schen im Le­ben nichts feh­len, kein Man­gel an ir­gend­et­was be­stehen: die­sem Men­schen wür­de im Le­ben et­was feh­len — es wä­re man­gel­haft.

Voll­kom­men­heit, das ist: kein Wer­den mehr, gibt’s erst mit dem En­de des Le­bens.

(Zu­wei­len hat ein Mensch das gro­ße Glück, aus sei­nen Män­geln den­je­ni­gen, … Weiterlesen➜

Denkzettel 118

Viel­leicht soll­te in der Phi­lo­so­phie zwi­schen der Philosophie als Wis­sen­schaft, ei­nem ver­stan­des­ge­trie­be­nen, ra­tio­nal-dis­kur­si­ven „Re­den über“ und der Philosophie als Le­bens­art, ei­nem ver­nunft­ge­tra­ge­nen, re­la­tio­nal-nar­ra­ti­ven „Re­den von“, un­ter­schie­den wer­den.

Bei­de  … Weiterlesen➜

Wahrheit & Wirklichkeit

Der Mensch als Tier — und Wahrheit als sein gefährlichstes Kulturprodukt. Was den Verstand antreibt, ist die Suche nach Wahrheit; was den Menschen am Leben hält, ist der Umgang mit Wirklichkeit. Der Text zieht die Linie zwischen beiden scharf: Wahrheit ist Konstrukt, Wirklichkeit ist Natur — und Vernunft wäre das Vermögen, zwischen beiden zu vermitteln, statt das eine über das andere zu erheben. Der Mensch als Zwischenwesen: weder ganz Natur noch ganz Kultur, sondern das unruhige inter esse zwischen beiden.

Denkzettel 71

Die Fra­ge ist doch, ob die Fra­ge nach dem Sinn des ei­ge­nen Le­bens über­haupt be­ant­wor­tet wer­den kann, be­vor man ge­lebt hat.
Gleich­wohl kann ich mei­nem Le­ben ei­nen Sinn ge­ben.
Oder aber (zu)schauen, wel­cher sich, für mich, er­gibt.
Das Er­geb­nis kann das Sel­be sein. Dann hat­te man viel Glück.
Un­glück­lich ist … Weiterlesen➜

Lebe lang und erfolgreich!

Wer hundert Jahre alt wird, hat offenbar etwas richtig gemacht. Diese stille Voraussetzung — langes Leben als Leistung — steht im Zentrum dieses Textes. Die Pandemie macht sichtbar, was sonst im Hintergrund bleibt: dass wir den Tod verdrängen, statt mit ihm umzugehen. Denn niemand übersteigt diesen Berg. Was bleibt, ist die Übung — den Blick auf das eigene Sterben so zu wagen, dass er das Leben nicht vergällt, sondern trägt.