Denkzettel 565

Wohl an­zu­den­ken wä­re, phi­lo­so­phi­sche Tex­te als Li­te­ra­tur im Gen­re „Phi­lo­so­phie“ auf­zu­fas­sen und nicht als Er­geb­nis­se ei­ner Wis­sen­schaft. Denn von wel­cher Art soll das Wis­sen sein, das Phi­lo­so­phie (ver)schafft? Zu­mal im Fach Phi­lo­so­phie wohl im­mer noch dar­um ge­run­gen wird, viel­leicht so­gar seit mehr als 2000 Jah­ren, was denn nun un­ter „Wahr­heit“ ei­gent­lich all­ge­mein ver­stan­den wer­den soll1⇣Zu Wahr­heits­theo­rien sie­he z. B. philomag.de/lexikon/wahrheit. (Von „Weis­heit“ ganz zu schwei­gen.)

Re­fe­ren­ces
1 Zu Wahr­heits­theo­rien sie­he z. B. philomag.de/lexikon/wahrheit

Denkzettel 500

An­ge­nom­men, es hät­te je­der ei­ne Schach­tel, dar­in wä­re et­was, was wir ‚Kä­fer‘ nen­nen. Nie­mand kann je in die Schach­tel des An­de­ren schau­en, und je­der sagt, er wis­se nur vom An­blick sei­nes Kä­fers, was ein Kä­fer ist. […] Das Ding in der Schach­tel ge­hört über­haupt nicht zum Sprach­spiel, auch nicht ein­mal als ein Et­was, denn die Schach­tel könn­te auch leer sein.
Lud­wig Witt­gen­stein, PU 293

Wie kann das Kä­fer-Bild ver­stan­den wer­den, wür­de man die Kä­fer z. B. „Gott“ nen­nen?

Zitat 74

Die Knos­pe ver­schwin­det in dem Her­vor­bre­chen der Blü­te, und man könn­te sa­gen, daß je­ne von die­ser wi­der­legt wird; eben­so wird durch die Frucht die Blü­te für ein fal­sches Da­sein der Pflan­ze er­klärt, und als ih­re Wahr­heit tritt je­ne an die Stel­le von die­ser. Die­se For­men un­ter­schei­den sich nicht nur, son­dern ver­drän­gen sich auch als un­ver­träg­lich mit­ein­an­der. Aber ih­re flüs­si­ge Na­tur macht sie zu­gleich zu Mo­men­ten der or­ga­ni­schen Ein­heit, wor­in sie sich nicht nur nicht wi­der­strei­ten, son­dern eins so not­wen­dig als das an­de­re ist, und die­se glei­che Not­wen­dig­keit macht erst das Le­ben des Gan­zen aus.

Ge­org Wil­helm Fried­rich He­gel

Denkzettel 303

Das Den­ken in ei­ne for­ma­li­sier­te Ra­tio­na­li­tät zu gie­ßen kann ja wohl nicht die ein­zi­ge Form ra­tio­na­len, was al­so um­gangs­sprach­lich mit „ver­nünf­tig“ co­diert ist, Den­kens sein. Ne­ben sol­chem Rech­nen müss­te es doch noch ei­ne in­for­mel­le, un­for­ma­li­sier­te, wenn man möch­te: ‚wil­de‘, oder ‚freie‘, Ra­tio­na­li­tät ge­ben.

Viel­leicht ist die­se mit „mo­ra­li­sche Ra­tio­na­li­tät“ gut be­schrie­ben. (Die dann in­des eben kei­ne be­rech­ne­te Ethik ist.)