Denkzettel 543

Die letz­te Auf­klä­rung ver­nunft­e­te den My­thos. Ei­ne zwei­te wird viel­leicht die Hy­bris, ge­bo­ren aus der ers­ten, neh­men.

Doch was wird sie zur Welt brin­gen?

Nunft, f.: Raub. vgl. Nah­me (I)
(Deut­sches Rechts­wör­ter­buch)
 
numft, nunft f.: […]‚Weg­nah­me, Raub; ab­la­tio, as­sump­tio, exu­via‘ ([…] ‚das Neh­men, Er­grei­fen ei­ner Ge­le­gen­heit‘; […] ‚Auf­nah­me, An­nah­me, Er­he­bung‘[…]).[…] 
(Ety­mo­lo­gi­schen Wör­ter­buch des Alt­hoch­deut­schen)

Denkzettel 512

Neh­men wir mal an, Ra­tio­na­li­tät und Emo­ti­on wä­ren wie zwei Au­gen oder Oh­ren. Aus ih­rem Ab­stand zu­ein­an­der er­gibt sich ein Raum­emp­fin­den. Und stel­len wir uns mal vor: Die Ver­nunft nutzt den Ab­stand von Ver­stand und Ge­fühl – hier durch Un­ter­schied­lich­keit ver­füg­bar –, um sich ei­nen ‚Raum‘ zu schaf­fen und dar­in ori­en­tiert zu sein.

Denkzettel 491

Gott sei tot, sagt Nietz­sche, und wir ha­ben ihn um­ge­bracht. Und statt der An­nah­me von et­was Über­mensch­li­chen wird nun et­was All­zu­mensch­li­ches an des­sen Stel­le ge­setzt: die Wis­sen­schaft­lich­keit, vul­go: Ver­nunft. Doch wenn die­se an­ge­be­tet wird wie ein Gott, brin­gen wir auch nur Über­men­schen ins Spiel. Ob das ein gu­ter Tausch ist?
(Man­cher­orts und der­zei­tig (Ja­nu­ar 2025) wird auch ein sog. „com­mon sen­se“, ein ‚ge­sun­der Men­schen­ver­stand‘, so an­ge­be­tet.)

Denkzettel 440

Mit ei­ner sog. KI kön­nen wir den mensch­li­chen Ver­stand eben nur ge­nau so, wie wir ihn ver­ste­hen, nach­bil­den.
Nicht hin­ge­gen kön­nen wir die Mög­lich­kei­ten mensch­li­cher Ver­nunft oder gar zwi­schen­mensch­li­chen Ge­müts im Ge­rät si­mu­lie­ren.
(Wo ge­meint wird, dies zu kön­nen, ist eben nur Ver­stand im Spiel.)

Denkzettel 412

„Bil­dung des Geis­tes oh­ne Bil­dung des Her­zens ist kei­ne Bil­dung“ soll Aris­to­te­les be­kun­det ha­ben.
So kann ge­sagt wohl wer­den: Ver­stan­des­bil­dung oh­ne Her­zens­bil­dung – wie auch um­ge­kehrt – ist Un­bil­dung.
(Ge­bil­de­ter Ver­stand und(!) ge­bil­de­tes Ge­müt er­ge­ben Ver­nunft.)

Denkzettel 381

Es gibt kei­ne na­tür­li­chen Ge­gen­sät­ze. „Ge­gen­satz“ ist ei­ne Ka­te­go­rie des Ver­stan­des.

Gleich­wohl: Mensch­li­cher Ver­stand, wie „Ver­stand“ über­haupt, ist ein Na­tur­phä­no­men.

So ge­se­hen ist auch „An­ders“ nichts wei­ter als ei­ne Ver­stan­des­ka­te­go­rie, da „Ge­gen­satz“ ein Fall von „An­ders“ un­ter an­de­ren.

Mit­hin: Na­tur oh­ne Ver­stand = ein un­dif­fe­ren­zier­tes Gan­zes?

(Und die­ses mit­tels Ver­nunft ver­nehm­bar?)

Denkzettel 364

Das mu­tend emp­fin­den­de Ge­müt, der rech­nend ver­ste­hen­de Ver­stand, die ver­neh­mend wä­gen­de Ver­nunft. Emp­fin­den, rech­nen, wä­gen: Sä­ku­lar-lai­zis­ti­sche Drei­fal­tig­keit. Das Kind, der Va­ter, die Mut­ter. In ei­ner funk­tio­na­len Fa­mi­lie ist das Kind die Si­che­rung der Dy­nas­tie, des Fort­be­stands. Denn es wird ein­mal Mut­ter oder Va­ter.

Viel­leicht.

Denkzettel 267

Ra­tio­na­li­tät als Grund­la­ge jeg­li­cher Mit­teil­bar­keit den­ken: Ra­tio, das Ver­hält­nis Zwei­er.

Dies Ver­hält­nis so­dann un­ab­hän­gig von der Be­zie­hung den­ken, die äs­the­ti­scher Na­tur sein soll­te.

Re­la­tio­na­li­tät, ‚Äs­the­ti­tät‘ der Be­zie­hung, Ra­tio­na­li­tät des Ver­hält­nis­ses: Er­kennt­nis­se sind ra­tio­nal, Ur­tei­le sind äs­the­ti­scher Na­tur (sinn­li­ches Un­ter­schei­dungs­ver­mö­gen).

(Der Ver­stand be­rech­net Ver­hält­nis­se, Ra­tio­na­li­tä­ten, die Ver­nunft be­ur­teilt die Er­geb­nis­se re­la­tiv: re­la­tio­nal. Der Ver­stand for­ma­li­siert oh­ne In­halt, die Ver­nunft bringt den In­halt ins Spiel.)