Denkzettel 564

Man kann im­mer nur aus dem Heu­te das Ges­tern, aus dem Jetzt das Vor­hin, er­in­nern.

Ver­gan­gen­heit, Er­in­ne­rung, ist al­so ei­ne (Re-)Konstruktion aus ei­nem ak­tu­el­len Mo­ment her­aus (ei­ne Er-In­ne­rung, könn­te man wort­spie­le­risch sa­gen).
Es gibt so­mit kei­ne Ver­gan­gen­heit oh­ne Ge­gen­wart — das Ge­gen­wär­ti­ge ist im­mer Teil der Er­in­ne­rung.

Mit­hin: Die Wahr­heit von Er­in­ne­run­gen ist re­la­tiv.

(Ei­ne Bin­sen­weis­heit. Doch wie oft mei­nen wir, uns ge­nau zu er­in­nern?)

Denkzettel 556

Viel­leicht kann man „Spra­che“ so auf­fas­sen: Ein Mit­tel, um in­ne­re Ver­fasst­heit, Zu­stän­de ei­nes Le­be­we­sens, an­de­ren Le­be­we­sen zu ver­mit­teln. So ver­stan­den um­fasst „Spra­che“ al­le für an­de­re da­zu fä­hi­gen sicht­ba­ren, hör­ba­ren, spür­ba­ren, al­so: mit Sin­nen ver­nehm­ba­re Äu­ße­run­gen ei­nes Le­be­we­sens. Beim Men­schen al­so Ges­ten, akus­ti­sche Spra­che, Kunst, Wis­sen­schaft etc. pp.

Und wie steht es nun um tech­ni­sche Ge­rä­te, z. B. ei­ner KI? Ist „Le­be­we­sen“ auf zu­min­dest ei­ner Sei­te des Da­ten­ka­nals not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung, um von „Spra­che“ zu spre­chen? „Spre­chen“ zwei KIs mit­ein­an­der oder tau­schen sie nur Da­ten aus — oh­ne Sinn und Ver­stand?

Denkzettel 539

Oh­ne Schwä­che ist der Mensch kein Mensch. Erst die Schwä­che schafft Span­nung zur Stär­ke und da­mit En­er­gie, „élan vi­tal“. Men­schen, die nur stark sind (oder auch nur so sein wol­len) sind oh­ne En­er­gie, sie funk­tio­nie­ren wie ein Räd­chen in ei­nem Ge­trie­be, sind fremd­be­stimmt und oh­ne Au­to­no­mie. (Wes­we­gen sie sich die Selbst­be­stimmt­heit ex­trem­ra­di­kal wün­schen, wo­mög­lich.)