Denkzettel 464

Viel­leicht ist es gar nicht der Geist, der er­kennt­nis­fä­hig ist. Viel­leicht ist das Geis­ti­ge nur das Me­di­um, das Er­kennt­nis dem Be­wusst­sein ver­mit­telt?

Doch was sorgt für Er­kennt­nis? Der Leib, als ein Zwi­schen von In­nen und Au­ßen? Dann wä­re es der Leib, der die Dif­fe­renz – oh­ne die ‚Welt‘ für uns viel­leicht nur ein ne­bu­lö­ser Klum­pen im Hirn wä­re – ver­wirk­licht. Der Geist ern­tet dann ‚nur‘.

Denkzettel 453

Phi­lo­so­phie ist ei­ne Aus­ge­stal­tung mensch­li­cher geis­ti­ger Tä­tig­keit un­ter an­de­ren, nicht die ei­ne wah­re, gu­te, schö­ne.
(Die­ses Geis­ti­ge grün­det nicht in et­was ihm Tran­szen­den­ten — es ist dem Men­schen im­ma­nent. Und wenn es doch in ei­ner Jen­sei­tig­keit grün­den soll­te, dann eben in die­ser im­ma­nen­ten. Und das me­ta­phy­si­sche Be­dürf­nis ist be­frie­digt.)

Denkzettel 412

„Bil­dung des Geis­tes oh­ne Bil­dung des Her­zens ist kei­ne Bil­dung“ soll Aris­to­te­les be­kun­det ha­ben.
So kann ge­sagt wohl wer­den: Ver­stan­des­bil­dung oh­ne Her­zens­bil­dung – wie auch um­ge­kehrt – ist Un­bil­dung.
(Ge­bil­de­ter Ver­stand und(!) ge­bil­de­tes Ge­müt er­ge­ben Ver­nunft.)

Denkzettel 386

Geist rech­net und denkt. Rech­net er, er­scheint er als Ver­stand, denkt er, kann er als Ver­nunft ver­nom­men wer­den. Und Geist ist so fle­xi­bel, dass er rech­nend den­ken und den­kend rech­nen kann, gleich­wohl weiß er das ei­ne vom an­de­ren zu un­ter­schei­den.

Wie ist es um den Leib (al­so der „von in­nen“ er­fah­re­ne Kör­per) be­stellt, des­sen Aus­druck die Emp­fin­dung ist?

Denkzettel 333

Der Mensch kann aus „2 × 2 = 4“ kei­ne Hand­lungs­ma­xi­me ge­ne­rie­ren. Er kann die Rech­nung als Me­ta­pher neh­men, als Blau­pau­se — doch ge­han­delt und Hand­lung be­grün­det wird im Reich der fünf Sin­ne. Und mit den Sin­nen lässt sich nicht abs­trakt rech­nen.

Mit ih­nen wird an­schau­lich ge­dacht. Will mei­nen: In ei­ner kon­kre­ten Le­bens­si­tua­ti­on – und in ei­ner sol­chen be­fin­den wir uns, dau­ernd, stän­dig, im­mer – ist ein rei­ner Geist oh­ne Sin­ne so hilf­reich wie ei­ne Ket­ten­sä­ge zum Kar­tof­fel­schä­len.