Die Moral der Ethik

Wer Verantwortung an einen Rat delegiert, hat sie nicht übernommen. Der Deutsche Ethikrat, so die These, läuft Gefahr, zum Instrument der Verantwortungsverwässerung zu werden — dann nämlich, wenn Politiker seine Empfehlungen als vorauseilende Entschuldigung nutzen statt als Orientierung. Ein ethischer Rat dagegen gibt keine Ratschläge, sondern schafft Raum, zur eigenen Entscheidung zu kommen. Der Unterschied zwischen beiden steckt bereits im Namen.

Wahrheit & Wirklichkeit

Der Mensch als Tier — und Wahrheit als sein gefährlichstes Kulturprodukt. Was den Verstand antreibt, ist die Suche nach Wahrheit; was den Menschen am Leben hält, ist der Umgang mit Wirklichkeit. Der Text zieht die Linie zwischen beiden scharf: Wahrheit ist Konstrukt, Wirklichkeit ist Natur — und Vernunft wäre das Vermögen, zwischen beiden zu vermitteln, statt das eine über das andere zu erheben. Der Mensch als Zwischenwesen: weder ganz Natur noch ganz Kultur, sondern das unruhige inter esse zwischen beiden.

Und die Moral von der Geschicht’ …

Nietzsche jenseits von Nietzsche: Der Mensch ist kein Mängelwesen, sondern ein mit ‚Geist' überfülltes. Dieser ‚Geist' — weder Gott noch Vernunft, sondern reines Zwischen — bremst den Willen, vermittelt zwischen Körper und Welt, hält den Menschen im Werden fest. Das Problem ist nicht das Tier im Menschen, sondern der entfesselte Verstand, der sich für Natur ausgibt. Homo homini lupus? Nein — so ist seine Kultur. Den Jäger, der ihn daraus befreit, muss der Mensch in sich selbst entdecken.

Denkzettel 49

Re­li­gi­on heißt (oder: will mei­nen): das nicht wis­sen Kön­nen. Oder: Das nicht-Wis­sen kön­nen.

Phi­lo­so­phie heißt (oder: will mei­nen oder gar, wo­mög­lich, wis­sen): das nicht wis­sen Kön­nen üben.

Eben ein/e Freund/in der Weis­heit zu sein und nicht ihr/e Herr/in.

Oder sich ein­fach nur an ihr zu er­freu­en. (An … Weiterlesen➜