Man sollte verweilen bei diesem einzigartigen Augenblick, in welchem sich die Dinge die Waage halten, das Empfinden die Moral zurückweist, das Glück aus Hoffnungslosigkeit entspringt und der Geist sich auf den Leib beruft.
Schlagwort: Moral
Zitat 114
Wissenschaftliches Plagiat: Man kann sich zwar mit fremden Federn schmücken, aber man kann nicht mit ihnen fliegen.
Denkzettel 455
„Würde“ als inhaltsleerer Begriff, der die unbedingte Aufforderung artikuliert und zum Begreifen auffordert, sich achtungs- und respektvoll gegenüber dem/der/dem Würdetragende/n zu verhalten? Art. I GG könnte dann so in seiner praktischen, also handlungsorientierten, Form lauten: „Alle anderen Menschen und Dingen ist stets mit Achtung und Respekt zu begegnen.“
Dies vermag die Würde tatsächlich unantastbar zu machen. Man lässt sie einfach gelten und hinterfragt sie nicht. Man lässt ihr die Freiheit, zu sein, sich zu zeigen.
(Der Haken: Wie wird achtungsvoll und respektvoll gehandelt? Dies wird sich nicht universalisieren lassen, was einem unerwünschten Relativismus ein Feld bereiten könnte. Doch hier ist nun eben die Verantwortung des Individuums gefordert: Was wir für uns selbst einfordern, ist anderen zuzubilligen. Es ist die anspruchsvollere Moral. Bedingungslose Empathie und bedingte Solidarität sind die Grundbausteine dieser Moral. Das verschafft ihr Universalität, ohne Formalität. Sie bleibt Moral und ist nicht Ethik.)
Denkzettel 435
Neutestamentarischer Persilschein: Die nicht wissen (wollen), was sie tun, können machen, was sie wollen.
(Herrenmoral, falsch verstanden.)
Denkzettel 303
Das Denken in eine formalisierte Rationalität zu gießen kann ja wohl nicht die einzige Form rationalen, was also umgangssprachlich mit „vernünftig“ codiert ist, Denkens sein. Neben solchem Rechnen müsste es doch noch eine informelle, unformalisierte, wenn man möchte: ‚wilde‘, oder ‚freie‘, Rationalität geben.
Vielleicht ist diese mit „moralische Rationalität“ gut beschrieben. (Die dann indes eben keine berechnete Ethik ist.)
Denkzettel 285
Wenn der Verstand die Vernunft versprachlicht heißt das eben nicht, dass die Logik in der Sprache läge. Das rechte Handeln liegt auch nicht in der rationalen Ethik, sondern in der ästhetischen Moral. Ethik ist eine Sprache der Moral — nicht indes ihre Logik. Die liegt tiefer, in der Moral — vielleicht noch tiefer, weitere Bereiche mit versorgend.
Zitat 60
Wer Macht ausüben will, muss sein Gegenüber aus einer organisch-moralischen Größe in ein physikalisches Objekt der Wahrnehmung verwandeln.
Denkzettel 250
Moral verhält sich zu Ethik wie Schönheit zur Ästhetik: Ersteres ist empirisch, letzteres epistemisch. Letzlich ist Letzeres der Versuch, Ersteres in eine Berechenbarkeit zu bringen, wenn nicht gar zu zwingen; also der Versuch, mit dem Verstand zu verstehen, zu vermessen, was mit der Vernunft vernommen wird.
Doch die Vernunft lässt sich letztlich wohl nicht vermessen wie der Verstand; der Versuch ist vermessen.
(Es wird wohl immer ein quantitativ unbestimmbarer Rest des Moralischen und Schönen bleiben, der sich dem Verstand entzieht und deshalb nicht unvernünftig ist.)
Denkzettel 249
Wenn, wie Ludwig Wittgenstein es gesehen hat, die Epistemen Ethik und Ästhetik eins sind, dann auch ihre empirischen Gründe, das Moralische und das Schöne.
Zitat 50
Moral ist nicht gleich Moral, aber Moralismus ist gleich Moralismus.