Denkzettel 312

Wenn man Witt­gen­stei­nia­ner, Huss­er­lia­ner, Kan­ti­a­ner, Hu­meianer, Scho­pen­hau­e­ria­ner, Nitz­scheianer, He­ge­lia­ner, Mar­xia­ner, und die auch exis­tie­ren­den ‑is­ten da­zu ein­mal au­ßen vor lässt, al­so all die In­die-aner mal zu ei­nem gro­ßen Pow­wow la­den wür­de – auf dem nicht ge­strit­ten wird, wer letzt­end­lich recht hat, ha­ben soll, we­gen Ge­set­zen und so, weil man dies eben den De­pend-is­ten über­lässt – son­dern er­ör­tert wird, was die ge­mein­sa­me Ba­sis ist, wird, nach­dem von al­len Sei­ten viel (aus)gesagt wur­de, sich als er­klä­ren­de Schlussakt(e) und Re-So­lu­ti­on ein be­red­tes Schwei­gen einstellen.

Denkzettel 304

Das Ist ei­nes Men­schen hat ei­ne Dau­er, in der sich des­sen Sein voll­zieht — voll­zie­hen kann.

(Mit­hin die­ses Ist ein Wer­den ist? Nein, da­zu bräuch­te es ein be­kann­tes Ziel. Sein ist schlicht: Dau­ern­de Ver­än­de­rung. An­dau­ern­de Ori­en­tie­rung. Ein sta­tisch ver­stan­de­nes Ist ist le­dig­lich ein Rah­men, den wir set­zen, um des Seins ge­wahr wer­den zu kön­nen. Oh­ne die­sen Rah­men be­kä­men wir von un­se­rem Sein über­haupt nichts mit.)

Denkzettel 292

Viel­leicht soll­te nicht phi­lo­so­phiert („ge­dacht“) wer­den, um ein Pro­blem zu lö­sen (da ist „Rech­nen“ wohl weit­aus bes­ser ge­eig­net), son­dern um zu schau­en, was ist. Ob es über­haupt ein Pro­blem gibt.
(An­zu­den­ken wä­re, ob sol­che Form schau­en­den, re­flek­tie­ren­den Den­kens mit dem Verb „sin­nie­ren“ nicht ad­äqua­ter re­prä­sen­tiert ist. Und, bei­läu­fig, ob, wer dies mit ei­ner ge­wis­sen Lei­den­schaft und da­zu ernst­haft be­treibt, das Verb zur Welt bringt, so­zu­sa­gen, durch­aus als „Sin­ne­ast“ be­zeich­net wer­den könnte.) 

Denkzettel 290

Das Ver­hal­ten ei­nes An­de­ren er­scheint viel­leicht nur des­halb ir­ra­tio­nal, weil der Zu­gang zu sei­ner Axi­oms­sphä­re fehlt, die bei glei­chen Re­geln un­ter­schied­li­che Fol­ge­run­gen zeugt: Oh­ne Em­pa­thie kein kleins­ter ge­mein­sa­mer Nen­ner „Ra­tio­na­li­tät“?