Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler.
Schlagwort: Mensch
Denkzettel 545
Menschliche Organisationen strukturieren sich meist durch die je eigene, individuelle, Über- oder Unterordnung.
So wähnt sich Mensch oftmals als Naturbeherrscher oder unterwirft sich einer Naturgewalt.
Eine nachhaltige Kultur der Einordnung gelingt dem und den Menschen im Allgemeinen offenbar nicht.
Vielleicht, weil eine solche von jedem Individuum die Übernahme von Verantwortung für das je eigene Tun und Lassen abverlangt.
Denkzettel 539
Ohne Schwäche ist der Mensch kein Mensch. Erst die Schwäche schafft Spannung zur Stärke und damit Energie, „élan vital“. Menschen, die nur stark sind (oder auch nur so sein wollen) sind ohne Energie, sie funktionieren wie ein Rädchen in einem Getriebe, sind fremdbestimmt und ohne Autonomie. (Weswegen sie sich die Selbstbestimmtheit extremradikal wünschen, womöglich.)
Denkzettel 458
Wenn die Würde des Menschen als unantastbar gilt, gilt dann nicht auch, dass dessen Seele unverwundbar ist?
Denkzettel 432
Alle zur Wahrheit fähigen, also wie wir Menschen denkenden Lebewesen einmal weggedacht (völlig unabhängig davon, was denn nun „Wahrheit“ und „Denken“ sei), klammert sie ein, sozusagen — was ist dann wahr und was falsch?
Wieso heißt es also Wahrnehmung und nicht Wahrgebung?
Denkzettel 409
Das Konstrukt „Mensch“ wie „Gott“ weder beweisbar noch widerlegbar. Nur halt ohne Allmacht.
(Humaniät; Ein Neologismus für die Fassade von Menschen, die Ismen nicht mögen.)
Denkzettel 399
Es geht darum, sich zu erleben. Es sind derer und deren bestimmt einige, die von sich sagen, sie funktionieren. Und genau in diesem Umstand der Selbstentfremdung liegt die eigentliche Gefahr jedweder technischen Errungenschaft: Nicht, dass diese uns beherrschen könnten. Dass wir so werden wie sie, die Effizienteren, Schnelleren, Fehlerfreieren, und uns so selbst zu Maschinen machen, die Maschinen bedienen wie Kellner_n in einem Restaurant Gäste bedienen, auf dass es ihnen bei ihrem Aufenthalt im Gourmet-Tempel möglichst gut ergehe. (Und sie gutes Trinkgeld geben mögen!)
Denkzettel 376
Wir können zu einer sog. KI nicht sagen: Du bist weiß! Du bist alt! Du bist männlich! Du bist weiblich! Du bist homosexuell! Du bist heterosexuell! Du bist links! Du bist rechts! Du bist liberal! All dies und noch viel mehr können wir einer sog. KI nicht zuschreiben, denn eine solche ist Menschenwerk, doch nicht menschlich. Schreiben wir ihr vielleicht genau deswegen eine Kompetenz zu, die unsere eigene übersteigt?
(Und versuchen freilich genau das sogleich wieder einzufangen, z. B. durch einen Ethikrat. Aus Furcht, die sog. KI könne uns über den Kopf wachsen?)
Denkzettel 355
Bewusstsein ist und „bewusst sein“ heißt da sein, präsent sein, gegenwärtig sein. Ein Martin Heidegger macht aus diesem Verbum ein Substantiv und bezeichnet den Menschen so: Dasein. Doch diese Substantivierung täuscht leicht darüber hinweg, dass Bewusstsein nichts Statisches ist, sondern sich in ständiger Veränderung befindet. Was heißt also: Ein Mensch ist sich seiner bewusst?
Denkzettel 352
Mensch hat kein Bewusstsein von einem „Ich“ oder ein „Ich“ mit Bewusstsein — das Bewusstsein ist das „Ich“.
Mit einer solchen Annahme verschwindet das Statische, Überdauernde am „Ich“; es wird zu einer andauernden Konstitution (was einen ständigen Wandel bedeutet) des Lebewesens seiner selbst für sich. Zu welchem Behuf auch immer. (Das „Ich“ von eben mithin das Gleiche, doch nicht das Selbe wie jenes in Kürze.)